Freitag, 5. März 2010

"Goodbye home sweet home"
Dienstag ging es etwas ruhiger zu. Wir haben einfach letzte Vorbereitungen für die Staaten getroffen.
Am Mittwoch waren wir mit einer Second Cup Kundin zum Kaffee verabredet, zu dem dann noch ein paar unserer Kollegen dazu stießen. Das war so lustig. Sam hatte uns ein Abschiedsgeschenk gekauft. Und zwar beef jerky und buffalo jerky, geräuchertes Fleisch, von dem alle Kanadier ganz hin und weg sind. Dafür hat er sogar sein Leben riskiert: Das Jerky gab es nämlich auch bei den Indianern und als Sam sich einem offen und alleinstehenden Wohnwagen genähert hat, kam ein Indianer mit einem Gewehr um die Ecke......leider musste das Jerky in Kanada bleiben, da wir es nicht in die USA einführen durften ;( Naja Martin freut sich. Mittwoch Nachmittag haben wir dann unser RBC Konto aufgelöst und sind nachher noch zum Glenmore Reservoir gefahren, um langsam aber sicher Abschied zu nehmen von unserer schönen Heimatstadt in Kanada.
Donnerstag waren wir mit Claire zu einem Mädchen-Lunch verabredet. Als Martin erfahren hat, dass wir in seinen Lieblingspub gehen, hat er vorsichtig gefragt ob er mit darf. Natürlich durfte er. Die beiden haben uns dann schon wieder eingeladen, da haben wir ihn zum Dank gedrückt und da meinte er, dass das sehr gerne geschehen wär, weil wir es ihnen Wert sind. Bei diesen Worten wurde uns schon wieder ganz schwer ums Herz. Nach dem Lunch hat uns Martin in Kensington rausgeschmissen- ein sehr schöner Stadtteil Calgarys, den wir noch nicht kannten. Dort haben wir deutsche Seifenblasen gekauft und haben am Bow River ganz viele schimmernde erfüllte Träume und Erinnerungen in den Himmel geschickt.
Am Freitag waren wir dann in Claire und Martins Gemeinde zum Abendessen, um uns anschließend das Theaterstück anzuschauen, in dem unsere Hostmum mitspielte. "I remember Mamma" hieß das gute Stück und war echt lustig anzuschauen. Das war schon alles ziemlich professionell gemacht-kurzum, wir waren begeistert. Dort hatten wir dann auch die Gelegenheit Sheila und Peter und der lieben Barb ein letztes Mal auf Wiedersehen zu sagen-ach ich hasse Abschiede. Danach ging es zurück in unser mittlerweile ziemlich chaotisches Zuhause, wo Koffer und Wäsche und alles mögliche wild umher flog.
Am Samstag war dann richtig Pack-und Putztag. Es machte sich mehr und mehr Frustration breit, weil nicht alles in den Koffer passte, wir uns nicht verabschieden wollten und überhaupt abreisen scheiße ist. Während dem Zähneputzen habe ich dann schon das erste Mal angefangen zu heulen so, dass ich fast meine Zahnbürste verschluckt hätte. Also bin ich schnell zu Liesl ins Schlafzimmer, wo ich mich erstmal auf Türmen von Wäsche auf meinem Bett etwas beruhigen musste. Zudem mussten wir uns schon wieder beeilen, weil Martin und Claire nochmal mit uns zum Cheesecake Cafe wollten. Gesagt, getan. Allerdings war Liesl und mir der Hunger mittlerweile etwas vergangen und die Stimmung allgemein etwas getrübt. Nach dem Dessert wurde uns dann schmerzlich bewusst, dass es nun an der Zeit war Martin adieu zu sagen, da er arbeiten musste und nicht mit an den Flughafen konnte. Wie ihr euch vorstellen könnt war das Geschluchze groß. Martin meinte, sie hätten nie Töchter gehabt, bis zu dem Tag als sie uns kennen gelernt haben. Da sind bei mir dann alle Dämme gebrochen- er hat uns noch schnell zwei Küsschen auf die Wangen gedrückt und ist schnell gefahren, sonst hätte er bestimmt auch angefangen zu Weinen. Martin hatte eh schon vorgeschlagen, dass wir nach unserem USA Trip zurück NACH HAUSE nach Calgary kommen sollten. Ach her je........
Danach ging es total verheult zum Second Cup- der nächste Abschied. Das war zwar auch traurig aber nicht ganz so schlimm wie der Abschied von Martin- er war einfach unser Held ;)
Danach ging es weiter mit Packen-kotz würg- Stimmung im Keller. Wäsche noch nicht trocken, Koffer eh schon zu schwer, Wohnung noch nicht besenrein....müde, traurig....wir emotionale Scheiterhaufen. Schließlich haben wir es dann doch noch 3 Stunden ins Bett geschafft. Geschlafen habe ich allerdings nicht, denn all die Gedanken, Erinnerungen, Erfahrungen, Erlebnisse....der letzten fünf Monate tummelten sich auf einem Haufen in meinem Kopf und Herz-eine schlaf-und ruhelose Nacht. Um halb drei in der Nacht klingelte dann unser Wecker. Mit einem unguten Gefühl im Bauch hieß es nun Abschied nehmen von unserem liebgewonnenen Zuhause. Die Tiere wuselten auch schon ganz verstört um uns rum, so nach dem Motto: Hey was sollen die blöden Koffer da? Wo wollt ihr hin???
Eine Stunde später stand Cris vor der Tür, um uns zum Flughafen zu fahren. All das Gepäck wurde im Auto verstaut und es fiel mir nie schwerer die letzten Schritte bis zur Haustür zu gehen. Das war es dann wohl, unser wunderschönes halbes Jahr in Calgary, das all unsere Erwartungen gesprengt hat. Am Flughafen ging dann alles recht schnell, wir hatten nur eine halbe Stunde Zeit, Claire und Cris auf Wiedersehen zu sagen, bevor es in die Kontrollen ging. Und ich glaube, mich hat noch nie jemand fester zum Abschied gedrückt als Claire an diesem Tag. Sie meinte, jetzt hätten wir noch eine Mama, die sich immer Gedanken macht, ob ihre Küken überall gut an Land schlagen-ach wie niedlich. Ein letzter Drücker, ein letzter Schmatzer, ein letztes Mal winken, bevor uns die bösen amerikanischen Zollbeamten in die Mangel nahmen.
Schließlich im Flugzeug fühlte es sich ein wenig an wie vor fünf Monaten, als wir hier ankamen, nur das jetzt an die Stelle der Ungewissheit und Angst, was uns wohl erwartet die Gewissheit und das große Glück getreten ist, nun noch eine Familie in Kanada zu haben.

Wir können heute sagen, dass es sich immer wieder lohnt, sich auf die Reise zu machen, auch wenn man nicht genau weiß, wo man an Land schlägt. Für uns hat jemand die richtigen Koordinaten eingegeben und all das, was wir heute im Gepäck haben wiegt mehr als die 23 kg, die man per Lufthansa mit sich führen darf und von dem Goldstück Kanada in unserem Leben muss auch der Zoll nichts wissen.

So, da bin ich auch schon wieder und bevor ich mit in die Staaten nehme, erstmal noch ein wenig "oh Canada":
Unsere letzte Woche in Calgary begann mit einem wunderschönen sonnigen Montag Morgen, an dem wir früh aufgestanden sind, um nach Waterton, einem Nationalpark an der amerikanischen Grenze zu fahren. Zunächst haben wir die liebe Claire auf die Arbeit gebracht und schon locker eine Stunde damit zugebracht, uns mit dem Auto durch Downtown zu kämpfen. Endlich auf dem Highway ging es dann drei Stunden südlich (ich am Steuer, Lisa mein Navi). Die Fahrt war auch sehr angenehm, wir sind durch Indianerreservate gefahren, immer die Rockies im Auge-wirklich eine Bilderbuchkulisse. Die ganze Fahrt über haben wir vor Staunen den Mund nicht mehr zu bekommen, so schön war es. Dann, kurz vor Waterton hat uns etwas anderes die Sprache verschlagen- unsere Tankfüllung. Sie war in kürzester Zeit auf zwei Striche geschrumpft. Bis jetzt, alles halb so wild, wenn man wie wir denkt, dass es in Waterton ja bestimmt eine Tankstelle gibt. Dort angekommen mussten wir leider feststellen, dass der ganze Ort über Winter einer Geisterstadt gleicht, die total zugeschneite Tankstelle war also entgegen unseren Erwartungen CLOSED. Zum Glück hatte wenigstens die Post geöffnet und die nette Dame dort versicherte uns, dass es im nächsten Ort, der nur 16 km entfernt liegt eine Tankstelle für uns gibt. Beruhigt haben wir uns in unseren Mini geschmissen und uns auf den Weg zur Tankstelle gemacht. Auf dem Weg haben wir dann auf einem Berg das "Prince of Wales Hotel", ein Bilderbuchhotel entdeckt-also dachten wir, fahren wir mal kurz rauf. Von unten sah die Straße ganz gut aus, als wir fast oben waren dann nicht mehr. Dort waren so hohe Schneeverwehungen, dass wir nicht mehr vorwärts kamen und dementsprechend auch nicht drehen konnten. Schließlich haben wir uns fest gefahren. Da keine Hilfe in Sicht war musste Liesl austeigen und unser Auto mit den Füßen frei schaufeln, anschließend hat sie mich dann rückwärts diese echt enge, glatte Straße runter gelotst. Puuuuuuh geschafft- der Fettnapf an diesem Tag: ERLEDIGT! Dachten wir zumindestens, die anderen Fettnäpfe allerdings nicht. Dieser kleine Bergausflug hatte uns leider etwas Sprit gekostet, doch zur nächsten Tankstelle reichte es noch locker. Dort angekommen mussten wir jedoch feststellen, dass es unser Benzin nicht gabt, wir also rein getigert, wo uns passend zu stinkendem Frittenfett zwei der schmierigsten Typen überhaupt begrüßten. Während wir ihnen unser Problem schilderten haben sie nur grinsend angemerkt, dass die nächste Tankstelle in Cargston noch 15 km entfernt sei. Soweit so gut, auch 15 km waren noch drin. Wir haben Cargston trotzdem nochmal ins Navi eingegeben, wo es dann plötzlich 27 km entfernt war. Hhm...da unsere Tankanzeige noch Sprit für 28 km anzeigte, no problem. Also wieder in den Mini und ab die Post. Mein Blick auf die Tankanzeige gerichtet, Lisas Blick aufs Navi mussten wir nach kurzer Zeit ungünstige Abweichungen feststellen.
Ich: Wir können noch 28 fahren
Liesl: Wir müssen noch 27 fahren
Ich: Wir können noch 20 fahren
Liesl: Wir müssen noch 22 fahren

In der Zwischenzeit kurz mal bei ner Farm geklopft um nach Benzin zu fragen-Leider keiner Zuhause-weitergefahren....und das alles am Arsch der Welt

Ich: Wir können nur noch 10 fahren
Liesl: Kein Problem wir müssen nur noch 10 fahren
Ich: 10, 9, 8, 7, 6,....
Liesl: Nur noch 6
Ich: 3, 2....
Liesl: nur noch 2
Ich: Scheiße, der Tank ist alle
Liesl: wir müssen anhalten

So war es dann, wir mussten anhalten. Einmal umgeschaut merkten wir dann, dass wir in der Einfahrt einer einsamen Farm angehalten hatten. Dort haben wir dann nochmal geklopft-wieder keiner da. Also haben wir uns entschieden unsere Wertsachen aus dem Auto zu nehmen, einen Zettel an unseren Mini zu machen und zu vermerken, dass wir in den nächsten Ort laufen, um Benzin zu holen.....wie im Film sag ich euch.
Vollbepackt kamen wir dann wieder an einer Farm vorbei, wo wir schon von zwei Wachhunden begrüßt wurden. Dort haben wir dann wieder geklopft und eine nette Frau angetroffen, die uns doch tatsächlich anbot, uns nach Cargston zur Tankstelle zu fahren. Allerdings hatte sie keinen Benzinkanister und wir natürlich auch nicht. So hat sie uns zu ihrem Nachbarn Gerald geschickt, dessen Frau uns nur zögerlich aufmachte, weil sie uns für die Zeugen Jehovas hielt. Dann hat sie aber gefragt, wie sie uns helfen kann. Ihr Mann hat uns dann zur Tankstelle gefahren und dann wieder zurück zum Mini. Auto vollgetankt- Danke Gerald! Wie schön einen Bauern kennen zu lernen, der keine Mistgabel, sondern nur ein großes Herz hat ;)
Total fertig mit den Nerven sind wir zurück nach Waterton gefahren-wir wollten schließlich noch mehr erleben *HIHI*
Dort war es etwas stürmisch, wir konnten uns kaum auf den Beinen halten. Das wollten wir natürlich fotografisch festhalten. Auf den Fotos sieht es aber leider einfach nur schön sonnig aus und wir als ob wir einen an der Waffel hätten, weil wir so komische Verrenkungen machen. Aber ich kann euch sagen- das hat uns fast umgehauen dort! Abends sind wir dann ganz entspannt aber auch erschöpft zurück gefahren und haben uns zum Abschluß dieses abenteuerlichen Tages noch einen Cheesecake gegönnt. Zurück in Calgary haben wir natürlich nichts davon erzählt- es hat doch jeder ein kleines Geheimnis oder???

Donnerstag, 4. März 2010

Ihr Lieben, leider habe ich es noch nicht geschafft die letzte Kanada-Woche zu bloggen. Das wird aber die naechsten Tage nachgeholt, versprochen. Vorher lasse ich euch jedoch noch kurz wissen, dass wir seid Sonntag hier im schoenen San Francisco sind. Witziger Weise haben wir hier mehr gefroren als die letzten fuenf Monate in Calgary-aber hier weht auch wirklich eine steife Brise. Zudem sind die Leute hier nicht so warmherzig wie wir es gewohnt sind ;) Daher machen wir uns heut Abend mit Greyhound auf den Weg, die Californian Coast runter nach LA, wo wir 3 Naechte bleiben um dann am neunten nach New York weiter zu fliegen.
Lisa liest mir gerade vor, dass hier in Chinatown 10.000 Chinesen wohnen- das haben wir heute morgen gemerkt, wo wir von einem Fischstand zum naechsten und an allen moeglichen anderen ekligen Dingen vorbei geschoben wurden und vor lauter chinesischen Menschen die Stassenschilder nicht mehr sehen konnten, obwohl die an sich ja ziemlich klein sind, also die Chinesen nicht die Strassenschilder. So im Rudel sind sie nur schwer zu ueberwinden. Aber auf jeden Fall haben wir hier viele neue interessante Eindruecke gesammelt, die ich in Kuerze in vollem Umfang hier abhandeln werde. Ich melde mich sobald wir am naechsten W-Lan-faehigen Ort angekommen sind-falls wir unsere Fahrt mit dem Bus heute Nacht ohne Schaeden ueberstehen- also ''fingers crossed", wie unsere liebe Gastmama Claire zu sagen pflegte. Ach ja unsere Gasteltern- wir vermissen sie schmerzlich und sie uns.....was wir aus den Email entnehmen, die zwischen San Fran und Calgary hin und her jagen.
Genauso vermissen wir euch-wir sitzen quasi gerade zwischen den Stuehlen, sind heimatlos....ohne Eltern und Freunde, zwei ruhelose Seelen, die aber immer viel Spass zusammen haben hihi. Also dann, wir hoeren uns morgen aus der Stadt der Engel und ab morgen auch der Bengel.
Passt so gut auf euch auf wie wir auf uns, dann ist alles paletti.
Eure Jule

Freitag, 26. Februar 2010

Ihr Lieben,
da uns nur noch zwei Tage im schönen Kanada bleiben, ist es an der Zeit, unsere letzte aufregende Woche mal noch schriftlich aufzuarbeiten, falls ihr das alles verkraften könnt ;)
Letzte Woche Mittwoch haben wir es endlich geschafft, zu einem Eishockey-Spiel in den Saddledome zu gehen. Mensch, war das aufregend. Im ersten Drittel konnten wir zwar nicht soviel sehen, da Herr Hirsche und Herr Breitkreuz (Spieler der gegnerischen Mannschaft aus Prince George) sich vor uns breit gemacht haben und den Blick aufs Spielfeld verdeckten. Doch wir haben immerhin mitbekommen, dass die Calgary Hitmen 5:1 gewonnen haben und die Prügelei am Spielende konnten wir auch in vollem Umfang beobachten. Dann wurden wir in der Pause auch noch auf einem Bildschirm eingeblendet und haben nett den anderen Zuschauern zu gewunken.
Donnerstag sind wir mal wieder ins Kino und haben uns "When in Rome" angeschaut- eine locker leichte Romantikkomödie, genau das, was wir hier brauchen so alleine in der weiten Welt *haha*.
Am Freitag waren wir im Ranchmans, dem Country-Club (aus Cool Runnings), um unseren Second Cup- Abschied zu feiern. Leider haben kurzfristig einige abgesagt aber lustig war es trotzdem. Bre-Ann, die wegen einer Augen-OP nicht kommen konnten hat uns per Kurier Sam ein Geschenk mitgeschickt: Zunächst einmal eine ganz tolle und liebe Karte und schließlich eine Cowboygürtelschnalle. Lisa hat eine mit einem Hufeisen, ich eine rosa Glitzerschnalle mit einem Pferd drauf ;) Leider sind unsere deutschen Gürtel nicht kompatibel und so hingen die Schnallen etwas lose. Das hat zu einem kleinen Problem auf der Toilette geführt. Ich habe voller Elan meinen Gürtel geöffnet, mich dann gewundert, wo meine Schnalle ist und im selben Moment einen Plumps gehört- Na dreimal dürft ihr raten, wo sie gelandet ist....im Klo. Da ich mit solchen Problemen hier mittlerweile Erfahrung habe, habe ich halt danach gefischt und tatsächlich wieder gefunden. Also, alles wieder im Lot. Aber noch war der Abend ja nicht zu Ende...Wieder am Tisch angekommen, kam eine Kellnerin mit Schnaps vorbei. Wir hatten schon abgelehnt, aber Sam ließ es sich nicht nehmen, uns einen auszugeben. Da Liesl ja keinen Alkohol drinkt, meinte die Kellnerin, dass sie für solche Fälle ein ganz besonderes Progrann hat. Aber zunächst war ich an der Reihe. Ich musste mich vor sie setzen, den Kopf in den Nacken tun und sie hat mir ein Pinnchen Baileys eingeflößt-soweit schön und gut. Dann war Lisa dran. Sie hat sich vor die Kellnerin gesetzt, bekam ein Pinnchen Wasser eingeflößt und bevor sie sich wehren konnte wurde sie von der Kellnerin umgedreht und mit dem Gesicht in deren üppiges Weideland gedrückt. Oh Mann, Lisas Gesicht war nicht von schlechten Eltern und ich wär fast vom Stuhl gefallen vor Lachen- manchmal sollte man ein Gläschen in Ehren halt doch nicht verwehren. Dieser Abend war auch Lieschen eine Lehre.
Den nächsten Abend ging es dann etwas zivilisierter zu: Abschiedsparty mit Freunden der Familie. Martin und Claire hatten sich schwer ins Zeug gelegt, ein leckeres Menü gezaubert und eine Torte gekauft. So hatten wir ein tolles Abendessen mit Jan und Ghislaine, Peter und Sheila, Barb, Lisa und Cris und mit der kleinen Louise. Und dann haben wir auch noch Geschenke bekommen: Von Sheila und Peter eine selbstgenähte Tasche und einen Kalender über die Canadian Rockies, von Barb ein kanadischen Schlüsselanhänger, von Ghislaine Kühlschrankmagneten (dazu meinte sie, dass wir die in Deutschland zu Geld machen könnten, wenn sie uns nicht gefallen, ne ne ne- als ob wir unsere Souvenirs verkaufen würden) und von Martin und Claire ein Armband. Es war ein schöner Abend, aber Ghislaine war wieder die Beste: Sie war schon auf dem Weg nach draußen, dreht sich nochmal kurz um und sagt: Ja, tschüß dann-wir sehen uns bestimmt nie mehr wieder. Ich musste mich zusammen reißen, dass ich nicht laut los lache-die ist echt zum schießen.
Sonntag haben wir einen ruhigen Tag gehabt und jetzt mach ich mal kurz eine Koffer-pack-Pause, bevor ich euch erzähle, wie sensationell wir in diese Woche gestartet sind. Also, nach einer kurzen Pause geht es weiter........

Mittwoch, 17. Februar 2010




Ronald McDonald House


Alberta Children´s Hospital
Good Morning,
nachdem ich nicht mehr schlafen konnte, habe ich gedacht, dass ich mich mal wieder meinem Blog widmen könnte.
Gestern waren wir ein letztes Mal im Ronald McDonald House und es war wieder mal toll. Es ist nur so unglaublich schlimm, dort Kinder wiederzusehen, die schon bei unserem allerersten Besuch dort waren. So war auch der kleine Mann da, den ich schon im Oktober mit meinem Klavierspiel fasziniert habe. Gestern kam er dann wieder strahlend angelaufen, als ich am Klavier saß. Echt süß. Das Essen war auch gut und die Platten waren alle leer geputzt so, dass wir nachher ausser spülen, desinfinzieren etc. nicht viel zu tun hatten. Also bin ich schnell wieder ans Klavier geschlichen und hab vor mich hin geklimpert. Martin hat sich dann einen bequemen Sessel gesucht und ich hab ihn in den Schlaf gesungen. Lisa hat sich schon gewundert, woher diese komische Geräusch kam: *schnarch, zzzz* hihi, es war Klein-Martin, der in süßen Träumen schlummerte. Die Gunst der Stunde haben wir genutzt, um noch ein wenig mit den Kids "Quatchi", das Olympiamaskottchen zu bauen und bemalen.
Dann hieß es auch dort Abschied nehmen und als die Mitarbeiter uns dann auch noch eine gute Heimreise gewünscht haben, wurde es wieder mal ganz, ganz schwer ums Herz.........
Heut geht es zum Eishockey in den Saddledome, wo nach dem gestrigen Gold für Kanada bestimmt gute Stimmung herrscht. In diesem Sinne: Hey, ho- Canada go!
Eure Jule

Dienstag, 16. Februar 2010




Die ganze Familie am Tower

Ein sportliches "Hallo" aus unserer kanadischen Heimat!
So, wo fange ich denn jetzt mal an?
Nach unserem Abschied von Second Cup haben wir erst mal ein wenig Zuhause getrauert, Frust geshoppt im Chinook.... .
Dann ging es letzten Donnerstag nochmal zum Calgary Tower. Ein Teil unseres Weihnachtsgeschenks für Martin und Claire war nämlich ein Gutschein für ein schickes Essen über den Dächern Calgarys. Es war ein toller Abend und mal wieder total lustig. Nachdem Claire nämlich alle möglichen Verlobungs-und Hochzeitsgeschichten erzählt hat, habe ich Martin gefragt, wie er denn um Claires Hand angehalten hat. Aber der Arme ist doch so vergesslich-so wurde er ein wenig verlegen, weil er sich einfach nicht erinnern konnten. Dann fing Claire auch noch an, nervös auf die Tischkante zu klopfen....bis der Groschen dann endlich fiel *hihi*. Wir haben den Abend genutzt, um schonmal ein wenig zusammen zu fassen, wie wir und die Whites die gemeinsame Zeit hier so empfunden haben. Wie das Resumée aussah, könnt ihr euch sicher denken. Mit Tränen in den Augen waren wir uns alle einig, dass es perfekt war und unsere Erwartungen viel mehr als erfüllt wurden.
Den nächsten Tag, am Eröffnungstag der Winter Olympics waren Liesl und ich in äußerst sportlicher Stimmung und sind zum Olympic Park Calgary von ´88, etwas ausserhalb der Stadt gefahren. Dort haben wir die Pisten gestürmt (leider ohne Skier, weil zu teuer), sind an der Bobbahn entlang bis ganz oben zu den Skisprungschanzen gelaufen und mit unseren selbstgebastelten Goldmedaillen aufs Siegerpodest geklettert, natürlich bis aufs oberste Treppchen. Ganz olympisch gestimmt haben wir Zuhause dann mit Daddy Martin die Eröffnungsfeier geguckt- ach wie rührend.
Seitdem gucken wir zugegeben ein bisschen zuviel Fernsehen. Da unser Herz fifty-fifty für Canada und Deutschland schlägt, sind unsere Gewinnchancen auch enorm gestiegen und vorgestern war es dann schließlich soweit- Wir hatten ein Herz aus purem Gold! Denn nicht nur die deutschen Bobfahrer hatten ganz schön abgesahnt, sondern auch Kanada konnte bei den dritten Winter Olympics innerhalb der eigenen "vier Wände" die allererste Goldmedaille Zuhause holen. Der neue Held der Nation ist Alex Bilodeau, ein nicht nur richtig goldiger, sondern auch absolut netter und medaillenwürdiger Kerl. Kanada ist auf jeden Fall total aus dem Häuschen und wir auch-vorallem Lisa, die gerade recherchiert, ob er noch Single ist ;)
Am Sonntag habe ich mit meinem ganzen Meiswinkler Clan geskypt. Andrea und Ina waren mit Klein-Josy zu Besuch. Ich war hin und weg-die Kleine ist ja so putzelig. Zum guten Schluß kam dann auch noch mein kleines Goldstück Paul vorbei und mein Tag war perfekt. Was freu ich mich, meine tolle Familie bald mal wieder live zu sehen....
Gestern haben wir uns dann unserer kanadischen Heimat auch noch historisch angenähert. Nach einer zweistündigen Autofahrt durch die Prärie Albertas und einem kurzen Toilettenstopp an einem der wenigen Bäume am Wegesrand standen wir auf einmal inmitten der Mondlandschaft Drumhellers und der Dinosaurier-Ausgrabungsstätte No. 1 in Kanada. Auf dem Weg dorthin hat mich ein komisches Gefühl ereilt. Neben traurigen Gedanken des Abschieds habe ich mich so glücklich gefühlt, dass es mich von innen die ganze Zeit geschaudert hat, weil dieses Land und die Erfahrung, die wir hier machen durften, mir einfach die Sprache verschlägt, was (wie ihr alle wisst) gar nicht so einfach ist ;)
Im Museum standen wir dann den Riesen der Vergangenheit gegnüber und haben uns anschließend auf verbotenen Wegen durch die Badlands gekämpft. Das alles geschah bei einem erneuten Chinook und strahlendem Sonnenschein. Gegen Sonnenuntergang haben wir uns dann auf den Heimweg gemacht. Um die Zeit zu füllen haben wir dann im Duett den Mouline Rouge-Medley gesungen: Ach, ich glaube das war die witzigste Autofahrt meines Lebens.
Heute geht es dann nochmal ins Ronald McDonald House zum Kochen, Klavier spielen etc. .
Bis es los geht widmen wir uns noch ein wenig den Olympics.
Ich freu mich schon so auf euch ;)...auch wenn noch ein paar Wochen zwischen heute und unserer Wiederkehr liegen.
Bis ganz bald
Eure Jule

Montag, 8. Februar 2010

Unser lieber Marv
Unsere Chefs
Lisa, Julia, Lindsay,
Crystal und Brynne

Crystal und Anita
Ashley, Mackenzie und wir zwei beide
Sam freut sich *grins*

Chelsea, Lisa, Julia, Rachael
Sam mit seinen Mädchen
Precious Germany,

Nach unserem letzten Eintrag ist zwar nicht viel passiert, aber dafür Dinge, die unser Leben für immer verändern.
Zunächst einmal waren wir am Freitag auf Sam´s (unser einziger männlicher Ex-Kollege) Geburtstag eingeladen in einen Laden namens Rusty Cage. Also sind wir mit dem Mini zum Chinook gedüst und haben ein Geschenk gekauft. Anschließend ging es dann in die Bar. Erst wurden wir mit unseren deutschen Ausweisen auch noch rein gelassen. Als es dann um´s Getränke bestellen ging mussten wir wieder unsere Ausweise zeigen- dann wurden wir rausgeschmissen, da die einzige gültige Verifikation der eigenen Person der Reisepass ist, den wir natürlich nicht immer dabei haben. Also sind wir schnell wieder nach Hause- Reisepässe eingepackt und zurück ins Rusty Cage, wo wir dann bis nachts um 2 gefeiert haben.
Den nächsten Morgen musste ich um 8 auf der Arbeit sein und nachdem Lindsay andauert gesagt hat: "Na geniesst du deinen letzten Tag, deine letzten Stunden, Minuten und Sekunden bei SC?" da ist mir mein Arsch auf Grundeis gegangen. Ich wollte doch noch gar nicht aufhören dort zu arbeiten... aber nach drei Monaten ist es wohl an der Zeit. Lisa kam dann kurz vor meinem Schichtende mit der Kamera vorbei, um ein wenig das festzuhalten, was unsere Zeit dort so unvergesslich gemacht hat: Der Kaffee, die Menschen (sowohl Kollegen als auch Kunden)....mir standen den ganzen Tag die Tränen in den Augen- es ist so schwer Abschied zu nehmen ohne zu wissen, ob man all die liebgewonnenen Freunde jemals wieder sieht. Nach unserem Shooting haben wir noch ein wenig im Second Cup gesessen und tief im Inneren schonmal Ade gesagt. Natürlich werden wir die kommenden Wochen noch auf den ein oder anderen Kaffee dort vorbei gehen und am 19. Februar findet auch noch eine Abschiedsparty statt. Und zwar im Ranchman´s- einem Country-Tanz-Club, der auch schon Kulisse in dem Film "Cool Runnings" war. Da wird dann richtig Tschüß gesagt mit Tränen, Abschiedsschmerz und allem drum und dran. Sam hat uns bei Facebook eine Nachricht hinterlassen in der steht, dass er auf die kanadischen Sicherheitskräfte am Flughafen vertraut, die hoffentlich bis Ende Februar rausgefunden hätten, dass wir an einem Al-Qaida-Trainingslager teilgenommen haben, damit wir auf die non-flight-Liste kommen und nicht ausreisen dürfen. Sogar unsere Kunden bombadieren uns schon mit "Wir-vermissen-euch-Nachrichten". Ach, das macht die ganze Sache nicht einfacher. Am Samstag im Second Cup haben wir dann so vor uns hin gesagt- Nur noch 3 Wochen- und da kamen Erinnerungen hoch: In unserer dritten Woche hier in Kanada saßen wir nämlich auch im Second Cup und haben gesagt- jetzt sind wir schon 3 Wochen hier. Wahnsinn wie die Zeit vergeht und wie gerne würden wir sie jetzt noch ein wenig aufhalten...
Eure Jule (mit einem lachenden und einem weinenden Auge)

Mittwoch, 3. Februar 2010

Ihr glaubt ja nicht, was ich gerade raus gefunden habe: Einer meiner täglichen Kunden bei Second Cup ist ein weltberühmter Schriftsteller. Er heißt Jeff Buick und schreibt Krimis. Uns ist schon aufgefallen, dass er jeden Tag an seinem Laptop sitzt, in Büchern rum kritzelt, Sachen rot markiert, Leute interviewt.....jetzt wissen wir warum. Am Samstag holen wir uns erstmal ein Autogramm.
*HIHI*
Nachdem ich letztes Mal ja von der Hochzeitsmesse berichtet habe, muss ich heute diesbezüglich etwas hinzu fügen: Ich habe gewonnen!
Und zwar nichts Geringeres als eine Woche all inclusive Canada-Urlaub. Hört sich erstmal ziemlich gut an. Hab mich auch schon richtig gefreut, doch dann kam ein klitzekleiner Haken. Diesen Gewinn hätte ich letzten Samstag mit meinem Verlobten abholen müssen. Da ich aber keinen Verlobten habe und der einzige potentielle, den ich auch auf die Gewinnkarte geschrieben habe Zuhause in Deutschland sitzt, istdieser Gewinn hinfällig. Tja, das wär ja auch zu schön gewesen.
Letzten Freitag waren wir bei unserer Kollegin Lindsay auf einem Make-up Abend eingeladen. Das war ja wieder genau das Richtige für uns. Auf dem Programm stand "Smoky Eyes": Nach tausend Schichten Make-up, Puder, Bronzer, Rouge und was weiß ich nicht alles mussten wir uns dann die Augen mit Eyeliner und Lidschatten und so schminken. Lisa und ich haben uns etwas blöd angestellt-uns fehlt einfach die Übung und das war echt richtig kompliziert. Ich hatte das Zeug überall nur nicht da wo es hin sollte. Mit ein bisschen Hilfe hatten wir schließlich auch sexy Augen. Im dunklen Wohnzimmer von Lindsay sah die Schminke, die ein Vermögen kosten sollte, noch nicht mal so schlecht aus, obwohl wir uns wie Clowns fühlten und zwischenzeitlich ziemlich frustriert waren. Aber Zuhause angekommen kam der große Schock: Ich glaube, wir haben noch nie so krank ausgesehen wie an diesem Abend. Und das schlimmste daran- der Mist ging noch nicht mal ab. Also haben wir gerubbelt und geschrubbt und geschäumt, bis wir uns im Spiegel wieder als uns selbst erkennen konnten. Aber lustig war es mit unserer lieben SC-Kundin Karen und unseren vielen tollen Kolleginnen auf jeden Fall. Die Schminke lassen wir seitdem trotzdem wieder lieber weg. Manchmal ist weniger eben doch mehr!!!
Am Montag hatten Liesl und ich frei, haben uns einen Mini geschnappt und sind zum Flaschendepot gefahren, um unser Leergut abzugeben. Dafür bekommt man immer ganz schön Geld. Dann sind wir zum Southcentre, einer unserer Lieblingsmalls gefahren, wo Liesl noch ein paar Mitbringsel und ich mir auch noch eine Kleinigkeit gekauft habe. Was es ist wird nicht verraten. Aber das interessiert euch auch bestimmt gar nicht ;)
Dann haben wir gestern gehört, dass doch tatsächlich die Uni schneefrei hat und wir sind natürlich wieder mal nicht da. Aber wir wollen uns ja nicht beschweren ;)
Heute waren Liesl und ich das vorletzte Mal arbeiten. Dann hatte ich wieder eine tolle Überraschung heute Morgen. Nachdem ich aus Langeweile auf der Arbeit eineinhalb Liter Tee getrunken habe, musste ich ganz dringend aufs Töpfchen. Es war natürlich besetzt und zwar ungefähr 20 Minuten lang, dann ging endlich die Tür auf und mir kam eine verstörte Frau entgegen und meinte, wir hätten ein Problem. Das hatte ich bereits in dem Moment bemerkt als ich schon in der Tür knöcheltief im Wasser stand. Super, da hat wohl wieder jemand das Klo verstopft und nichts gesagt und jetzt kam mir die ganze Scheiße entgegen. Da wir aber mittlerweile katastrophenerprobt sind, habe ich mich mutig in die Fluten gestürzt und erstmal versucht den Boden zu trocknen. Dann habe ich mit einem Pluncher, also einem Punger-keine Ahnung wie das auf hochdeutsch heißt, gepungt bis das Wasser wieder ablief. Glücklich, dass es vollbracht war habe ich meiner Chefin gesagt, dass wir die Toilette wieder in Betrieb nehmen können. Dann durfte ich Pause machen. Ich mich schön mit meinem Mittagessen hinten in den Pausenraum begeben, wo es dann plötzlich ziemlich "Scheiße" roch und das leider im wahrsten Sinne des Wortes. Es drangen plötzlich schrecklich Abgase aus dem Abfluss und verstänkerten mein Lunch und mich. Nachdem wieder alle alarmiert waren meinte meine Chefin ich sollte lieber raus gehen, bevor ich die ganzen Gase einatme und ich dürfte heute eine extra lange Pause machen. Das war aber auch ein furchtbarer Geruch, den ich irgendwann auch noch schmecken konnte. Bäääh. Schließlich hat einer unserer Kunden sich erbarmt, um dieses Ding zu reparieren, was da am rumstänkern war. Ich wage zu bezweifeln, dass der Versuch erfolgreich war, denn es stinkt immer noch. Doch ich durfte jetzt nach Hause gehen. Nun ist Liesl an der Reihe ein bisschen zu inhalieren. Ob wir wohl irgendwelche Folgeschäden davon tragen??? Man weiß es nicht. Das wär es natürlich, wenn uns jetzt der vorletzte Arbeitstag erkranken lässt.
Ja, was gibt es sonst noch?!? Ach ich glaube, dass es das erstmal war. Ich melde mich aber wieder und wünsche den lieben Urlaubern jetzt schonmal eine gute Heimreise und euch anderen, dass ihr immer wieder einen sicheren Weg durch den Schnee findet.
Herzliche Grüße
Eure Jule

Mittwoch, 27. Januar 2010

Nach einem kurzen aber sehr schönen Geburtstagsgespräch mit meiner lieben Ker in Deutschland dachte ich, es wäre mal wieder an der Zeit, den Blog auf den neusten Stand zu bringen.
Die letzte Woche haben wir ziemlich viel gearbeitet- sozusagen der Endspurt des Geld Eintreibens. Am Sonntag hatten wir dann schließlich nochmal gemeinsam frei und haben den Tag genutzt, um die Hochzeitsmesse hier in Calgary unsicher zu machen und "Nein, es gibt nichts, was ihr wissen müsstet". Wir wollten uns einfach nur mal so umschauen. Am Eingang wurden dann Aufkleber verteilt "Bride oder Mother of the Bride" und da wir für eine Braut-Mutter noch ein wenig jung aussehen, haben wir uns halt einen Braut-Aufkleber geben lassen ;) Hätten wir gewusst, was wir damit anrichten: Wir wurden an jedem Stand ausgequetscht, wann und wo unsere Hochzeit denn stattfindet. So nahm das Spektakel seinen Lauf- also, unsere Freunde sind am Weihnachten beide hier hin geflogen, um uns einen Antrag zu machen. Wir haben natürlich "Ja" gesagt. Uns so kommt es, dass Lisa in 2 Jahren ihren Jake Miller (existiert nicht) in Deutschland heiratet und ich bin schon nächstes Jahr reif *hahaha* ach ja, wir haben leider auch schon die Musik gebucht und nein Essen wollen wir auch nicht hier in Calgary bestellen, da der Weg nach Deutschland zu weit ist. Dann haben wir einen Fotografen gefunden, der natürlich um die ganze Welt fliegt und sich schon freut, mal nach Deutschland zu kommen. Bei der Modenschau ging es dann richtig heiß her- die Bräutigam-Models haben die wildesten Tänze hingelegt und das weibliche Publikum war ausser sich vor Freude. Anprobieren konnte man leider nur Schleier, das haben wir uns natürlich nicht zweimal sagen lassen ;) Was für ein aufregender Tag. Als wir abends mit einer riesen Tasche voller Süßigkeiten, Pröbchen und Prospekte nach Hause kamen meinte Martin, ob wir denn schon wieder Einkaufen gewesen wären. Wir haben dann gesagt, wo wir waren und dann meinte er "na Julia, willst du heiraten? Also vielleicht, irgendwann?" Und dann hat er wieder so witzig gegrinst. Dann hab ich gesagt "Ja, vielleicht irgendwann" ;) Dann haben wir uns schnell nach unten verzogen.
Montag hab ich dann mit meinem lieben Geburtstagskind Daniel geskypt. Liesl lag noch im Bett, doch plötzlich kam sie rein gerannt und meinte "Hier ist was passiert, oben hat gerade jemand gebrüllt: Verschwinde oder ich rufe dir Polizei". Also hab ich Daniel einen Moment alleine gelassen und Liesl und ich sind mit dem Telefon bewaffnet hoch geschlichen und ihr glaubt nicht, was uns da erwartete.....
Nichts *hihi* Martin lag seelenruhig in seinem Bett und auch sonst war alles friedlich. Lisa fing sofort an, stark an sich zu zweifeln. Doch dann fuhr wirklich die Polizei vor. Allerdings bei unserem Nachbarn. Lisa hat am Fenster gelauscht und mitbekommen, dass die Polizei nun einen Mann sucht. Aber wer tut das nicht....
Dann gibt es Neuigkeiten aus Second Cup. Wir haben erfolgreich unser Online-Training abgeschlossen und bekommen nun ein Zertifikat, dass wir Sales Associates sind. Zu allem Überfluß wurde jetzt eine Neue eingestellt, die uns in Zukunft ersetzen soll. Schon alleine diese Tatsache hat dazu geführt, dass sie bei unseren Kollegen nicht besonders beliebt ist. Die halten uns nämlich jetzt jeden Tag Vorträge, warum wir besser hier bleiben sollten. Unsere stellvertretende Managerin meinte jetzt einen Tag zu mir: "Julia, ich muss mal mit dir sprechen. Also, hier will keiner, dass ihr geht und ihr wollt doch auch nicht gehen- dann bleibt einfach hier." Und gestern stand ich meiner Kollegin beim Putzen im Weg und dann hab ich gesagt, dass es mir leid tut, dass ich schon wieder in ihrem Weg stehe, aber, dass wir ja bald weg sind und dann meinte sie:" ich will aber, dass Lisa und du mir weiterhin im Weg steht". Die sind echt toll und werden uns schwer fehlen.
Liesl muss noch 6 und ich noch 5 mal arbeiten, dann war es das mit unserer Karriere bei SC. Aber schön wars. Am Donnerstag gehts zum Karaoke, Freitag sind wir bei unserer Kollegin zu einer Kosmetik-Party eingeladen, dann steht noch Sam´s Geburtstag an, am 11. Februar gehen wir mit Martin und Claire auf den Tower zum Essen, am 15.02. ist Family Day und da wollen wir gerne nach Drumheller, für den 16.02 haben wir Karten fürs Eishockey, am 21.02. hat Cris Geburtstag, am 26.02. gehen wir zu Claire´s Theaterstück und am 28.02. heißt es ja schon Abschied nehmen. Also, unser Terminplan ist ziemlich voll.
Vorgestern haben wir dann unsere Weiterreise geplant. Unsere Flüge, Busse und Hostels in San Francisco, LA und New York sind gebucht und unser Nachmieter aus Brasilien sitzt auch schon auf gepackten Koffern. Langsam wird es also ernst. Martin meinte gestern, er wär ja so froh, dass sofort wieder jemand einzieht, denn sie hätten Angst, ihr Leben so ganz alleine fortzusetzen. Und dann sagte Claire, umso schneller ihr abreist, desto schneller seid ihr auch wieder da. Darauf Martin "ja, ihr müsst wieder kommen, ihr kommt doch wieder, oder? Versprecht es uns"
Das macht den Abschied nicht gerade einfacher, aber wir sind dankbar für die Zeit hier.
So, jetzt bin ich ganz aus der Puste und mehr fällt mir auch nicht ein.
Aber ich sende noch schnell viele Grüße an meine lieben Urlauber in der Sonne und an alle in Deutschland im Schnee versunkenen.
Ich hab euch lieb
Eure Jule

Mittwoch, 20. Januar 2010

Bei Gelegenheit schaut auch mal hier vorbei:

vancouver2010.com






Calgary steht in Flammen

...dazu später mehr. Erstmal muss ich noch ein wenig was von letzter Woche nachholen.
Letzten Freitag hatten wir beide auf der Arbeit frei uns haben uns entschieden, die Ausstellung "Real Life" von Ron Mueck im Glenbow Museum anzuschauen. Das war ziemlich beeindruckend- Herr Mueck macht nämlich riesige Skulpturen aus Fiberglas, die unglaublich echt aussehen. Besonders umgehauen haben uns ein enorm großes neugeborenes Baby und eine winzig kleine sterbende alte Frau. Ron Mueck greift die verschiedenen Lebensphasen auf und beschäftigt sich besonders mit dem Eingang und Ausgang vom Menschen in und aus dieser Welt-wirklich toll. Das Museum war insgesamt ganz schön super. Was Lisa und mir besonders gefallen hat war der Activity Room, der eigentlich mehr für Kinder gedacht ist. Dort kann man nach Lust und Laune künstlerische Materialien ausprobieren und seiner Kreativität freien Lauf lassen. Das haben wir dann auch stundenlang gemacht, mit dem Ergebnis, dass wir ein kleines selbstgestaltetes Büchlein als Erinnerung mit nach Hause nehmen konnten. Danach gings zum Milestones einen kleinen Happen essen, bevor wir unserer romantischen Ader nachgaben und im Kino die Romantik-Komödie "Leap Year" geschaut haben. Ein so schöner Film mit so schlechter deutscher Übersetzung (Eine Verlobung mit Hindernissen). Er ist aber unabhängig von der Sprache absolut sehenswert. Ach, was für ein schöner Tag....
Die folgenden Tage hieß es dann wieder arbeiten, arbeiten, arbeiten. Als wir am Montag dann nochmal gemeinsam frei hatten, haben wir die Gelegenheit genutzt, um nochmal ein wenig bei unserem Lieblings-Supermarkt Coop Lebensmittel zu shoppen. Anschließend ging es dann nach Downtown und jetzt kommt der Teil mit den Flammen ;)
Das olympische Feuer hat uns nämlich erreicht und wenigstens emotional ganz Calgary in Brand gesetzt. Es fand nämlich dem Feuer zu Ehren eine riesen Veranstaltung am Olympic Plaza statt, da ja alle Calgarianer froh waren, das olympische Feuer endlich nochmal hier begrüßen zu dürfen. Dazu hatten sich laut Zeitung 20.000 Menschen eingefunden. Es wurden jede Menge kleiner Freebees verteilt (kleine Olympiaanstecker, Fahnen, Coca Cola Flaschen aus der Olympia-Sonderedition etc.), da haben wir uns dann die Taschen vollgemacht, uns dann durch die Menge gedrängelt um einen guten Fotoplatz an der Absperrung zu ergattern und schließlich haben wir uns auch noch bis an den Rand der Bühne durchgekämpft, wo im Fackelschein des olympischen Feuer eine kanadische Country-Sängerin fröhlich vor sich hin geträllert hat. Die Veranstaltung wurde von einem tollen Feuerwerk untermalt und es war eine super Stimmung (und das ohne den Verkauf von alkoholischen Getränken und ohne Prügeleien). Dann haben wir uns noch in den kanadischen Olympiabob geschmissen und ein Autogramm von einem kanadischen Pentathleten eingefahren. Es war eine friedliche Veranstaltung, die Calgary ganz schön Leben eingehaucht hat und sogar der Calgary Tower wurde zur riesen Fackel umfunktioniert. Hoffentlich werden die olympischen Winterspiele ein ebenso harmonisches und erwärmendes Event.....
denn das Böse lauert schon an den Toren der Stadt: Vor der Torch Relay in Downtown waren wir ja wie gesagt noch einkaufen. Als wir dann abends nach Hause kamen und die Nachrichten schauten, traf uns dann fast der Schlag. Kurz nachdem wir den Coop verlassen hatten wurde der für 6 Stunden komplett geschlossen, weil seit einer Woche irgendwelche Spinner heimlich alle möglichen Lebensmittel mit kleinen Metallsplittern versehen haben. Jetzt müssen wir unsere ganzen Lebensmittel zurückbringen und das, wo unser Kühlschrank endlich mal gut bürgerlich aussah ;) Zudem ist vor zwei Tagen ein 17-jähriges Mädchen von ihrem Stifvater ermordet und in seiner Wohnzimmer-Couch versteckt worden. Die Tante, die wiederum unseren Chef kennt hat sie dann gestern gefunden. Wir waren sehr geschockt. Dann ist noch ein Mord passiert aber die Leiche wurde noch nicht gefunden. Zu alledem überschattet immer noch das Erdbeben von Haiti das Tagesgeschehen hier in Kanada und bestimmt auf der ganzen Welt. Es laufen zahlreiche Spendenaktionen - unter den Opfer befinden sich auch ein paar tausend Kanadier.
Wie dankbar können wir bei all diesen Grausamkeiten sein, dass es uns hier so gut ergeht. Deswegen beginnen wir jeden neuen Tag mit frohem Mut und versuchen stets ein Lächeln in die Welt zu tragen.
Herzliche Grüße nach Deutschland
Eure Jule

Mittwoch, 13. Januar 2010

Guten Morgen Deutschland,

da Lieschen am Arbeiten ist, dachte ich, ich widme mich mal wieder meinem Blog. Viel Neues gibt es eigentlich nicht, aber was solls. Eben habe ich schon mit Zuhause telefoniert und Mama hat mich auf ein Steak eingeladen. Leider ist der Weg für ein Steak zu weit, es wäre bestimmt schon eiskalt bis ich daheim wär (aber es klang schon sehr verlockend).
Gestern als ich fertig mit Arbeiten war, sind Lieschen und ich noch Schwimmen gegangen. Wir haben 20 Runden gedreht- das hört sich jetzt erst mal nicht so schlimm an, aber was sagt ihr wenn ich euch erzähle, dass wir 20 Runden im Wellenbad gedreht haben??? Ja, wir arbeiten hier schwer an unserer Figur ;) hahaha. Ob ihr uns überhaupt noch wieder erkennt, wenn wir am Flughafen stehen. Wenn nicht, fliegen wir halt wieder zurück. Ach Quatsch-wir sind doch froh, wenn wir euch endlich wieder haben.
Aber uns ergeht es echt so gut hier. Wir lernen immer mehr nette Leute kennen und sogar unsere Kunden aus Second Cup offenbaren uns jetzt schon, wie sehr sie uns vermissen werden-schon goldig. Ja, unsere Zeit dort geht langsam aufs Ende zu. Nur noch 25 Tage dann läuft unser Vertrag aus und dann haben wir noch 22 Tage ohne Arbeit, um uns langsam von unserem kanadischen Zuhause zu verabschieden. Wie schnell die Zeit vergeht...
Aber das Kapitel "Kanada 09/10" wird definitiv immer eines der absoluten Höhepunkte unseres Lebens bleiben und hat bei uns schon längst Geschichte geschrieben. Ich hoffe, etwas von der Herzlichkeit, Leichtigkeit und Lebensfreude mit der uns hier begegnet wurde, mit nach Deutschland bringen zu können. Wir haben uns schon oft darüber unterhalten, wie uns Menschen, die wir überhaupt nicht kannten und die uns nicht kannten so liebevoll bei sich aufnehmen und uns ohne Wenn und Aber ein Teil ihrer Familie werden lassen konnten. Deswegen sprechen wir nicht umsonst von unseren kanadischen Eltern. Das sind sie nämlich wirklich. Wie schön soweit von Zuhause noch eine Familie zu haben ;) Was kann einem da schon passieren. Der Abschied von hier wird uns dementsprechend schwer fallen, aber diese Erfahrung hat unser Leben sehr bereichert und wir kommen wieder, das steht ausser Frage. Ich wünsche mir, dass noch viele die Erfahrung machen können, einmal in ihrem Leben bei den Whites zu wohnen.
Also Claire und Martin, sollte euer Deutsch irgendwann mal so gut sein, dass ihr das hier lesen könnt: "Ihr seid die Besten" ;)
Ich hoffe, ihr seid jetzt nicht zu genervt von meinen emotionalen Ausschweifungen, aber die beiden sind wirklich Menschen, die man sich zum Vorbild nehmen sollte und zwar nicht nur Lisa und ich, sondern jeder Einzelne von uns und euch da draußen ;) dann würde sich das menschliche Miteinander um einiges einfacher gestalten.
Wie ihr seht hätten wir es besser nicht antreffen können und wer hat schon das große Glück in Sachen "Familie" gleich zweimal den Sechser im Lotto zu ziehen!?!
In diesem Sinne- Danke, dass es euch gibt!
Ich hab euch lieb und ihr fehlt mir.

Jule

P.S.: Ein ganz besonderer Gruß gilt heute
1. all den Krankheitsfällen Zuhause-Gute Besserung euch allen
2. Klein Josi und meinem kleinen Paulchen

Montag, 11. Januar 2010


Das hübsche Geburtstagskind (36 Jahre)


Klein Louise Marie bei Lisa...


...und mir am Kuscheln
Ein fröhliches Hallo nach Deutschland, das zur Zeit offensichtlich im Schnee versinkt!
Ich hoffe ihr seid noch nicht eingeschneit und von dem schlimmen Wetter verschont geblieben. Bei uns sind es im Moment acht Grad über Null also fast schon frühlingshafte Temperaturen.
Was gibt es Neues, lasst mich mal überlegen.
Also erstmal habe ich eine Nachricht aus Deutschland für euch. Mein Cousinchen Irina hat ein Baby bekommen. Die kleine Maus heißt soweit ich weiß Alia Josephine (für die Rechtschreibung übernehme ich an dieser Stelle keine Haftung) und was das Wichtigste ist-sie ist gesund und wohl auf genau wie Irina. Ich bin ja schon so gespannt sie endlich kennen zu lernen, aber das muss wohl noch ein wenig warten.
Wir waren hier auch wieder auf Babybesuch, Lisa (die Brasilianierin) hatte uns nämlich am Samstag auf ihren Geburtstag eingeladen. Es war ein toller Abend mit vielen interessanten Leuten und Liesl und ich haben die ganze Zeit die kleine Louise hin und her gereicht. Die hat die ganze Zeit ganz unbeeindruckt auf unserem Arm geschlafen. Am liebsten würden wir die Kleine mit nach Deutschland bringen, aber ich glaube ihre Eltern lassen sie um keinen Preis mehr los.
Damit ihr unsere Faszination teilen könnt, folgen nun ein paar Fotos.
Lasst es euch gut gehen
Eure Jule

Freitag, 8. Januar 2010

Ein müdes Hallo nach Deutschland.
Ich sitze gerade in meiner Pause bei Second Cup und bin ganz schön geschafft. Hier war Einiges los heute morgen und ich habe noch zwei Stunden vor mir. Aber jetzt nutze ich erstmal die paar Minuten, um euch auf den neusten Stand zu bringen. Also....
Zwei Tage bevor Daniel uns verlassen hat, haben wir mit Claire und Martin und noch zehn anderen Freunden ein weiteres Weihnachtsfest gefeiert. Diesmal haben wir für alle gekocht und es hat alles super geklappt. Die Leute waren alle sehr begeistert von unseren Kochkünsten. Klein Louise war auch wieder da- sie ist ja so goldig.
Wir haben also schwer gefeiert und Martin und Claire ein selbstgemachtes Bilderalbum über unsere bisherige Zeit hier geschenkt. Sie haben sich sehr gefreut und wir uns mit. Wir haben natürlich auch wieder abgestaubt und sogar Daniel hat etwas von unseren lieben Gasteltern bekommen. Den Tag nach unserer Party haben wir uns ausgeruht und für Daniel hieß es packen. Zudem sollte er auch noch einen Koffer von mir mit nach Hause nehmen. Am 5. Januar war es dann so weit-wir mussten Daniel zum Flughafen bringen. Wir haben noch eine Stunde mit ihm dort gewartet, bevor wir uns schweren Herzens verabschiedet haben. Wir haben wirklich eine unglaublich tolle gemeinsame Zeit hier verbracht, die uns wohl ewig in Erinnerung bleiben wird und von der wir unseren Kindern noch erzählen werden :) Keine Panik-das hat noch Zeit *HIHI* Ne, es war wirklich traumhaft umd deswegen planen wir auch schon unseren Urlaub 2012 hier her. Die Wohnung ist auch schon gebucht.
Jetzt aber nochmal zurück zum Flughafen-wir haben uns also verabschiedet und Lisa ist zurück gefahren. Die Straßen waren mal wieder total vereist und es reihte sich ein Unfall an den nächsten. Wir sind zwischenzeitlich ganz schön in Panik geraten, aber Liesl hat uns schließlich nach 3 Stunden sicher in der Brabourne Road geparkt.
Ich sage euch- das ist ein echtes Erlebnis hier Auto zu fahren.
So jetzt muss ich mal wieder an die Arbeit- ich melde mich wieder
Eure Jule

Montag, 4. Januar 2010


lecko mio...


Blick über die Canadian Rockies


truly, madly, deeply

Prost Neujahr!

Lisa hat alles fest im Griff
Am 31. Dezember , nachdem Lisa fertig war mit Arbeiten ging es nach Banff, wo wir ins neue Jahr feiern wollten. Hier in Calgary waren die Straßen mal wieder ziemlich vereist und die Autofahrt etwas problematisch. Aber je mehr wir uns Banff näherten, desto besser wurde das Wetter. Das Hotel, das wir ausgesucht hatten war wieder echt super und abends gings in die Spaghetti Factory zum Essen. Danach sind wir ein wenig durch die Stadt geschlendert, haben im Hotel ein gratis Gläschen Sekt getrunken und um 0.00 Uhr dann mit vielen Menschen aus aller Welt und einem Feuerwerk vor den Rockies das neue Jahr begrüßt. Danach sind wir nochmal auf die Hotel-Silvester-Party zurück und schon um halb zwei gings ins Bett, da am 01.01.2010 früh aufstehen angesagt war.
Um sechs Uhr in der Frühe klingelte der Wecker und eingepackt in dicke Skiklamotten wurden wir dann zu unserer Husky-Schlittentour abgeholt. Ja, ihr habt richtig gelesen ;)
Wir wurden von einem Buschen vom Hotel nach Canmore gebracht, wo dann erstmal unsere Kleidung kontrolliert wurde. Dann ging es hoch in die Berge. Direkt an der Straße lagen zwei riesige Elche und der arme Junge vor uns wurde mit der Zeit etwas reisekrank und hat allerlei Papiertüten mit seinem verdauten Frühstück gefüllt: Hhm nam nam....
Am Berg angekommen warteten schon ungefähr 15 Huskyschlitten auf uns und die Hunde waren alle so knuddelig. Dann hat ein Mann uns ein wenig erklärt, was man so über Huskys wissen muss, bevor uns eröffnet wurde, dass wir die Schlitten ganz alleine fahren müssen-wie aufregend. Also haben wir uns schnell die Kommandos: Hike up puppies (los geht´s Hündchen), Easy puppies easy (langsam Hündchen langsam), woah (stop) und on by (einfach weiterlaufen) angeeignet und schon wurden Daniel und ich vorne in den Schlitten gepackt, während Lisa hinten drauf stand, quasi als Chaffeur. Das war ein Erlebnis, besonders wenn die kleinen Puppies mal GROß mussten. Die haben nämlich einfach während der Fahrt fallen lassen und dann musste die ganze Schlittenkolonne anhalten. So haben wir die ersten 15 Minuten meistens anhalten müssen und gestunken hat´s (die werden nämlich nur mit rohem Fleisch gefüttert). Was auch ganz schön anstrengend war, war die Tatsache, dass man Berg hoch immer abspringen und schieben musste, weil sonst die Hunde einfach stehen bleiben und dich blöd angucken. Vorallem Lisa hatte Berg hoch viel zu tun mit uns zwei Schwergewichten vorne drin ;) Doch mit ihr als Fahrer ging es richtig rund. Auf der Hälfte wurden dann Fahrer getauscht: Lisa durfte vorne ins Körbchen hüpfen, Daniel und ich hinten ans Steuer. Das hat soviel Spaß gemacht, das kann man gar nicht sagen. Wenn man dann anhielt musste man immer jeden einzelnen Hund loben, sonst sind die nämlich ganz schnell eingeschnappt und dann hat man schlechte Karten. Einer Frau wurde das alles zuviel- sie ist kollabiert. Sie wurde dann mit dem Schneemobil abgeholt. Anschließend an die Tour gab es noch Cookies und Apfelpunsch am Lagerfeuer und Lisa hat noch ein Foto von unserem Schlittenteam ergattert. Dann ging es wieder zurück ins Hotel. Aber das war noch lange nicht alles, denn zu unserem Schlittehundepaket gehörte auch noch eine Eintrittskarte in die Banff Hot Springs (Heiße Quellen), wo wir dann abends unter freiem Himmel bei leichtem Schneefall entspannt haben. Den nächsten Morgen sind wir dann mit der Gondel auf den Sulphur Mountain gefahren (auch im Paket inklusive), wo wir bei aufgeklartem Himmel dann weit über die Rockies schauen konnten. Zudem haben Liesl und ich zwei riesengroße Lutscher am Gipfel gelutscht (Fotos folgen), um die uns alle beneidet haben. Wir wurden sogar von fremden Leuten fotografiert....
Bevor es dann zurück nach Calgary ging, sind wir dann noch rund 60km weiter in die Rockies gefahren, nämlich zum Lake Louise. An dessen Ufer steht ein riesen Hotel namens Fairmont Chateau Lake Louise. Dieses Hotel stand dann nochmal aus Eis geschnitzt auf dem zugefrorenen Lake Louise- ach wie schön ;) Ich hab dann auch mit meinem Hinternspeck gleich mal getestet, wie fest das Eis dort ist: Ich kann euch sagen-auf jeden Fall fester als mein Hinternspeck.
Schließlich haben wir uns auf den Heimweg nach Calgary gemacht, wo gerade Claire und Martin aus England eingetrudelt waren: Endlich ist die Familie wieder komplett.
Und schwups, da ist es schon das neue Jahr. Ich hoffe, dass ihr alle gut gestartet seid.
Bevor ich alles von unserem Jahreswechsel erzähle, möchte ich noch gerne das alte Jahr in Sachen Blogeinträge abschließen. Wie ihr ja alle wisst hat Daniel am 13. Dezember hier einge"checkt". Wir haben dann zunächst mal mit ihm die Gegend hier erkundet, Spaziergänge gemacht, viel eingekauft..... . Am ersten Mittwoch nach seiner Ankunft hat Ghislaine uns dann Freikarten fürs Kino gegeben und Martin, Lisa, Daniel und ich haben den Film "The Young Victoria" in einer Vorpremiere gesehen. Es hat sich gelohnt, war wirklich sehr gut. Zwischendurch musste ich Martins Händchen halten- die Liebesgeschichte hat ihn emotional nämlich sehr mitgenommen und er konnte sich die ein oder andere Träne nicht verdrücken ;) Anschließend ging es dann mal wieder ins Cheesecake Cafe, Lisa und ich haben nur Nachtisch gegessen.
Dann brauchten wir natürlich auch noch einen Weihnachtsbaum. Also ging es mit unserem MINI zu COOP, wo draußen jede Menge Bäume verkauft wurden. Aber fragt nicht, was für welche: Es gab zwei Meter große Bäume mit drei Ästen, schiefe Tanne, die mit der Spitze den Boden berühren konnten, irgendwelche buschigen Gestalten, die mit Weihnachtsbaum nur wenig zu tun hatten und so weiter und so fort. Dann gab es aber auch noch eine Gattung an Bäumen, die unserem kritischen deutschen Auge beliebte: Die "Fraser Fir" Tannen. Wir haben dann versucht klar zu machen, dass wir den kleinsten Baum wollen, den sie haben. Das Ende vom Lied war schließlich ein ungefähr 2 Meter großes Bäumchen, das Lisa und ich dann zum Auto tragen mussten, während Daniel Instruktionen gegeben hat, wie ein Baum dieser Größe am Besten in einen MINI passt: Nämlich gar nicht-nur mit Kofferraum offen. Also hat Lisa es sich mit dem Baum auf der Rückbank gemütlich gemacht und wir sind schnellstens nach Hause gedüst. Danach ging es zu Walmart, um noch einen optimalen Ständer für unsere wunderbare Tanne zu finden. Gesagt, getan. Dort haben wir auch noch ein paar Kugeln geshoppt. Wieder Zuhause angekommen haben wir das Viech nach unten geschleppt und im Wohnzimmer aufgestellt, um ihm die bestmögliche Entfaltung zu gewähren. Den nächsten Tag war es dann so weit, das Bäumchen wurde nach Lust und Laune in lila, schwarz und silber geschmückt. Die krumme Spitze haben wir mit einer silbernen Schleife gerichtet und letztendlich sah unser Weihnachtsbaum ganz ansehnlich aus. Bilder habt ihr ja schon geschaut, wohl?
Den darauf folgenden Sonntag ging es dann nach Edmonton zum größten Shopping Mall Nordamerikas- ganz schön beeindruckend. Natürlich waren wir dort schnäppchentechnisch auch wieder erfolgreich. Unser 2-Sterne Hotel war auch ein voller Erfolg und lag direkt gegenüber von einem Eingang der Mall, also Top-Lage. Die Nacht war etwas unruhig, denn Lisa hatte wilde Träume. Sie hat uns leise im Schlaf: "Jude Law- Edmonton Mall" zugeflüstert. Details wurden uns verschwiegen. Die Rückfahrt war dann alles andere als gut. Es hatte ziemlich geschneit und wir sind mit dem MINI von einer auf die andere Seite des Highways geschlittert. Es waren unzählig viele Unfälle wegen Glatteis und nichts desto trotz wurden wir ständig von riesengroßen Trucks überholt, von denen wir einen später ziemlich demoliert im Graben wiedergesehen haben und die Fahrbahn war von zwölf Polizeiautos abgesperrt. Es war ein Horrortrip nach Hause und wir waren so froh gesund und munter angekommen zu sein. Martin konnte seine Erleichterung auch nicht verbergen und hat uns herzlich willkommen geheißen.
Dienstags ging es dann mit einigen Kollegen von SC zum Bingo und Molly meinte nachher es gäb nichts, was ein Mädchen glücklicher machen würde als die Kombination: Deutsche, Bingo und Bier. Es war ein echt witziger Abend, aber Lisa hat es wieder übertrieben. Sie war so gierig auf Molly´s Bingo Wings, dass sie doch glatt den Knochen mit verschluckt hat und danach größte Bedenken hatte, von innen aufgeschlitzt zu werden. Aber ich kann euch beruhigen, es ist nochmal gut gegangen. Wo der Knochen jetzt ist, wissen wir nicht- er hat sich wohl selbst zerstört.
Von Weihnachten hatte ich ja schon berichtet, die lustigste Story hab ich allerdings vergessen. Am 25. Dezember wollte Daniel noch ein wenig joggen gehen und hat angeboten, Petra mitzunehmen. Martin hat ihm noch den Weg erklärt und los gings. Nach drei Stunden haben Lisa und ich uns etwas Sorgen gemacht, denn die zwei waren noch immer unterwegs und wir waren je schließlich auch noch zum Essen eingeladen. Schließlich kam er angehechelt: Zunächst hatte er sich verlaufen und war eine Stunde in die falsche Richtung gelaufen und dann musste er eine Straße überqueren: Er ist stehen geblieben-Petra ist weitergelaufen und hat ihn auf dem Boden über die Straße gezogen. Bis auf einige blaue Flecken und einer Schürfwunde ging es ihm aber gut. Nur die arme Petra hat vor lauter Erschöpfung den ganzen Tag nur noch geschlafen ;)
Nach den ganzen Weihnachtsfestivitäten, sind wir am 27. zum Bow River gefahren, der war komplett zugefroren. Dort sind auch die Eisbilder entstanden. Anschließend ging es rauf auf den Calgary Tower, wo wir im 360 Grad Restaurant dinniert haben. Das Tolle daran ist, dass es ich die ganze Zeit dreht und wir nach einem traumhaften Sonnenuntergang noch die nächtliche Aussicht auf die Dächer Calgarys genießen konnten. Für den 28. hatten uns Claire und Martin Karten für eine Zaubershow im Jubilee geschenkt und neben amerikanischen und kanadischen Magiern hat uns auch ein deutscher Künstler verzaubert.
Was für eine aufregende letzte Woche des Jahres 2009 und es wird noch besser...