Calgary steht in Flammen
...dazu später mehr. Erstmal muss ich noch ein wenig was von letzter Woche nachholen.
Letzten Freitag hatten wir beide auf der Arbeit frei uns haben uns entschieden, die Ausstellung "Real Life" von Ron Mueck im Glenbow Museum anzuschauen. Das war ziemlich beeindruckend- Herr Mueck macht nämlich riesige Skulpturen aus Fiberglas, die unglaublich echt aussehen. Besonders umgehauen haben uns ein enorm großes neugeborenes Baby und eine winzig kleine sterbende alte Frau. Ron Mueck greift die verschiedenen Lebensphasen auf und beschäftigt sich besonders mit dem Eingang und Ausgang vom Menschen in und aus dieser Welt-wirklich toll. Das Museum war insgesamt ganz schön super. Was Lisa und mir besonders gefallen hat war der Activity Room, der eigentlich mehr für Kinder gedacht ist. Dort kann man nach Lust und Laune künstlerische Materialien ausprobieren und seiner Kreativität freien Lauf lassen. Das haben wir dann auch stundenlang gemacht, mit dem Ergebnis, dass wir ein kleines selbstgestaltetes Büchlein als Erinnerung mit nach Hause nehmen konnten. Danach gings zum Milestones einen kleinen Happen essen, bevor wir unserer romantischen Ader nachgaben und im Kino die Romantik-Komödie "Leap Year" geschaut haben. Ein so schöner Film mit so schlechter deutscher Übersetzung (Eine Verlobung mit Hindernissen). Er ist aber unabhängig von der Sprache absolut sehenswert. Ach, was für ein schöner Tag....
Die folgenden Tage hieß es dann wieder arbeiten, arbeiten, arbeiten. Als wir am Montag dann nochmal gemeinsam frei hatten, haben wir die Gelegenheit genutzt, um nochmal ein wenig bei unserem Lieblings-Supermarkt Coop Lebensmittel zu shoppen. Anschließend ging es dann nach Downtown und jetzt kommt der Teil mit den Flammen ;)
Das olympische Feuer hat uns nämlich erreicht und wenigstens emotional ganz Calgary in Brand gesetzt. Es fand nämlich dem Feuer zu Ehren eine riesen Veranstaltung am Olympic Plaza statt, da ja alle Calgarianer froh waren, das olympische Feuer endlich nochmal hier begrüßen zu dürfen. Dazu hatten sich laut Zeitung 20.000 Menschen eingefunden. Es wurden jede Menge kleiner Freebees verteilt (kleine Olympiaanstecker, Fahnen, Coca Cola Flaschen aus der Olympia-Sonderedition etc.), da haben wir uns dann die Taschen vollgemacht, uns dann durch die Menge gedrängelt um einen guten Fotoplatz an der Absperrung zu ergattern und schließlich haben wir uns auch noch bis an den Rand der Bühne durchgekämpft, wo im Fackelschein des olympischen Feuer eine kanadische Country-Sängerin fröhlich vor sich hin geträllert hat. Die Veranstaltung wurde von einem tollen Feuerwerk untermalt und es war eine super Stimmung (und das ohne den Verkauf von alkoholischen Getränken und ohne Prügeleien). Dann haben wir uns noch in den kanadischen Olympiabob geschmissen und ein Autogramm von einem kanadischen Pentathleten eingefahren. Es war eine friedliche Veranstaltung, die Calgary ganz schön Leben eingehaucht hat und sogar der Calgary Tower wurde zur riesen Fackel umfunktioniert. Hoffentlich werden die olympischen Winterspiele ein ebenso harmonisches und erwärmendes Event.....
denn das Böse lauert schon an den Toren der Stadt: Vor der Torch Relay in Downtown waren wir ja wie gesagt noch einkaufen. Als wir dann abends nach Hause kamen und die Nachrichten schauten, traf uns dann fast der Schlag. Kurz nachdem wir den Coop verlassen hatten wurde der für 6 Stunden komplett geschlossen, weil seit einer Woche irgendwelche Spinner heimlich alle möglichen Lebensmittel mit kleinen Metallsplittern versehen haben. Jetzt müssen wir unsere ganzen Lebensmittel zurückbringen und das, wo unser Kühlschrank endlich mal gut bürgerlich aussah ;) Zudem ist vor zwei Tagen ein 17-jähriges Mädchen von ihrem Stifvater ermordet und in seiner Wohnzimmer-Couch versteckt worden. Die Tante, die wiederum unseren Chef kennt hat sie dann gestern gefunden. Wir waren sehr geschockt. Dann ist noch ein Mord passiert aber die Leiche wurde noch nicht gefunden. Zu alledem überschattet immer noch das Erdbeben von Haiti das Tagesgeschehen hier in Kanada und bestimmt auf der ganzen Welt. Es laufen zahlreiche Spendenaktionen - unter den Opfer befinden sich auch ein paar tausend Kanadier.
Wie dankbar können wir bei all diesen Grausamkeiten sein, dass es uns hier so gut ergeht. Deswegen beginnen wir jeden neuen Tag mit frohem Mut und versuchen stets ein Lächeln in die Welt zu tragen.
Herzliche Grüße nach Deutschland
Eure Jule
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