Freitag, 5. März 2010

"Goodbye home sweet home"
Dienstag ging es etwas ruhiger zu. Wir haben einfach letzte Vorbereitungen für die Staaten getroffen.
Am Mittwoch waren wir mit einer Second Cup Kundin zum Kaffee verabredet, zu dem dann noch ein paar unserer Kollegen dazu stießen. Das war so lustig. Sam hatte uns ein Abschiedsgeschenk gekauft. Und zwar beef jerky und buffalo jerky, geräuchertes Fleisch, von dem alle Kanadier ganz hin und weg sind. Dafür hat er sogar sein Leben riskiert: Das Jerky gab es nämlich auch bei den Indianern und als Sam sich einem offen und alleinstehenden Wohnwagen genähert hat, kam ein Indianer mit einem Gewehr um die Ecke......leider musste das Jerky in Kanada bleiben, da wir es nicht in die USA einführen durften ;( Naja Martin freut sich. Mittwoch Nachmittag haben wir dann unser RBC Konto aufgelöst und sind nachher noch zum Glenmore Reservoir gefahren, um langsam aber sicher Abschied zu nehmen von unserer schönen Heimatstadt in Kanada.
Donnerstag waren wir mit Claire zu einem Mädchen-Lunch verabredet. Als Martin erfahren hat, dass wir in seinen Lieblingspub gehen, hat er vorsichtig gefragt ob er mit darf. Natürlich durfte er. Die beiden haben uns dann schon wieder eingeladen, da haben wir ihn zum Dank gedrückt und da meinte er, dass das sehr gerne geschehen wär, weil wir es ihnen Wert sind. Bei diesen Worten wurde uns schon wieder ganz schwer ums Herz. Nach dem Lunch hat uns Martin in Kensington rausgeschmissen- ein sehr schöner Stadtteil Calgarys, den wir noch nicht kannten. Dort haben wir deutsche Seifenblasen gekauft und haben am Bow River ganz viele schimmernde erfüllte Träume und Erinnerungen in den Himmel geschickt.
Am Freitag waren wir dann in Claire und Martins Gemeinde zum Abendessen, um uns anschließend das Theaterstück anzuschauen, in dem unsere Hostmum mitspielte. "I remember Mamma" hieß das gute Stück und war echt lustig anzuschauen. Das war schon alles ziemlich professionell gemacht-kurzum, wir waren begeistert. Dort hatten wir dann auch die Gelegenheit Sheila und Peter und der lieben Barb ein letztes Mal auf Wiedersehen zu sagen-ach ich hasse Abschiede. Danach ging es zurück in unser mittlerweile ziemlich chaotisches Zuhause, wo Koffer und Wäsche und alles mögliche wild umher flog.
Am Samstag war dann richtig Pack-und Putztag. Es machte sich mehr und mehr Frustration breit, weil nicht alles in den Koffer passte, wir uns nicht verabschieden wollten und überhaupt abreisen scheiße ist. Während dem Zähneputzen habe ich dann schon das erste Mal angefangen zu heulen so, dass ich fast meine Zahnbürste verschluckt hätte. Also bin ich schnell zu Liesl ins Schlafzimmer, wo ich mich erstmal auf Türmen von Wäsche auf meinem Bett etwas beruhigen musste. Zudem mussten wir uns schon wieder beeilen, weil Martin und Claire nochmal mit uns zum Cheesecake Cafe wollten. Gesagt, getan. Allerdings war Liesl und mir der Hunger mittlerweile etwas vergangen und die Stimmung allgemein etwas getrübt. Nach dem Dessert wurde uns dann schmerzlich bewusst, dass es nun an der Zeit war Martin adieu zu sagen, da er arbeiten musste und nicht mit an den Flughafen konnte. Wie ihr euch vorstellen könnt war das Geschluchze groß. Martin meinte, sie hätten nie Töchter gehabt, bis zu dem Tag als sie uns kennen gelernt haben. Da sind bei mir dann alle Dämme gebrochen- er hat uns noch schnell zwei Küsschen auf die Wangen gedrückt und ist schnell gefahren, sonst hätte er bestimmt auch angefangen zu Weinen. Martin hatte eh schon vorgeschlagen, dass wir nach unserem USA Trip zurück NACH HAUSE nach Calgary kommen sollten. Ach her je........
Danach ging es total verheult zum Second Cup- der nächste Abschied. Das war zwar auch traurig aber nicht ganz so schlimm wie der Abschied von Martin- er war einfach unser Held ;)
Danach ging es weiter mit Packen-kotz würg- Stimmung im Keller. Wäsche noch nicht trocken, Koffer eh schon zu schwer, Wohnung noch nicht besenrein....müde, traurig....wir emotionale Scheiterhaufen. Schließlich haben wir es dann doch noch 3 Stunden ins Bett geschafft. Geschlafen habe ich allerdings nicht, denn all die Gedanken, Erinnerungen, Erfahrungen, Erlebnisse....der letzten fünf Monate tummelten sich auf einem Haufen in meinem Kopf und Herz-eine schlaf-und ruhelose Nacht. Um halb drei in der Nacht klingelte dann unser Wecker. Mit einem unguten Gefühl im Bauch hieß es nun Abschied nehmen von unserem liebgewonnenen Zuhause. Die Tiere wuselten auch schon ganz verstört um uns rum, so nach dem Motto: Hey was sollen die blöden Koffer da? Wo wollt ihr hin???
Eine Stunde später stand Cris vor der Tür, um uns zum Flughafen zu fahren. All das Gepäck wurde im Auto verstaut und es fiel mir nie schwerer die letzten Schritte bis zur Haustür zu gehen. Das war es dann wohl, unser wunderschönes halbes Jahr in Calgary, das all unsere Erwartungen gesprengt hat. Am Flughafen ging dann alles recht schnell, wir hatten nur eine halbe Stunde Zeit, Claire und Cris auf Wiedersehen zu sagen, bevor es in die Kontrollen ging. Und ich glaube, mich hat noch nie jemand fester zum Abschied gedrückt als Claire an diesem Tag. Sie meinte, jetzt hätten wir noch eine Mama, die sich immer Gedanken macht, ob ihre Küken überall gut an Land schlagen-ach wie niedlich. Ein letzter Drücker, ein letzter Schmatzer, ein letztes Mal winken, bevor uns die bösen amerikanischen Zollbeamten in die Mangel nahmen.
Schließlich im Flugzeug fühlte es sich ein wenig an wie vor fünf Monaten, als wir hier ankamen, nur das jetzt an die Stelle der Ungewissheit und Angst, was uns wohl erwartet die Gewissheit und das große Glück getreten ist, nun noch eine Familie in Kanada zu haben.

Wir können heute sagen, dass es sich immer wieder lohnt, sich auf die Reise zu machen, auch wenn man nicht genau weiß, wo man an Land schlägt. Für uns hat jemand die richtigen Koordinaten eingegeben und all das, was wir heute im Gepäck haben wiegt mehr als die 23 kg, die man per Lufthansa mit sich führen darf und von dem Goldstück Kanada in unserem Leben muss auch der Zoll nichts wissen.

So, da bin ich auch schon wieder und bevor ich mit in die Staaten nehme, erstmal noch ein wenig "oh Canada":
Unsere letzte Woche in Calgary begann mit einem wunderschönen sonnigen Montag Morgen, an dem wir früh aufgestanden sind, um nach Waterton, einem Nationalpark an der amerikanischen Grenze zu fahren. Zunächst haben wir die liebe Claire auf die Arbeit gebracht und schon locker eine Stunde damit zugebracht, uns mit dem Auto durch Downtown zu kämpfen. Endlich auf dem Highway ging es dann drei Stunden südlich (ich am Steuer, Lisa mein Navi). Die Fahrt war auch sehr angenehm, wir sind durch Indianerreservate gefahren, immer die Rockies im Auge-wirklich eine Bilderbuchkulisse. Die ganze Fahrt über haben wir vor Staunen den Mund nicht mehr zu bekommen, so schön war es. Dann, kurz vor Waterton hat uns etwas anderes die Sprache verschlagen- unsere Tankfüllung. Sie war in kürzester Zeit auf zwei Striche geschrumpft. Bis jetzt, alles halb so wild, wenn man wie wir denkt, dass es in Waterton ja bestimmt eine Tankstelle gibt. Dort angekommen mussten wir leider feststellen, dass der ganze Ort über Winter einer Geisterstadt gleicht, die total zugeschneite Tankstelle war also entgegen unseren Erwartungen CLOSED. Zum Glück hatte wenigstens die Post geöffnet und die nette Dame dort versicherte uns, dass es im nächsten Ort, der nur 16 km entfernt liegt eine Tankstelle für uns gibt. Beruhigt haben wir uns in unseren Mini geschmissen und uns auf den Weg zur Tankstelle gemacht. Auf dem Weg haben wir dann auf einem Berg das "Prince of Wales Hotel", ein Bilderbuchhotel entdeckt-also dachten wir, fahren wir mal kurz rauf. Von unten sah die Straße ganz gut aus, als wir fast oben waren dann nicht mehr. Dort waren so hohe Schneeverwehungen, dass wir nicht mehr vorwärts kamen und dementsprechend auch nicht drehen konnten. Schließlich haben wir uns fest gefahren. Da keine Hilfe in Sicht war musste Liesl austeigen und unser Auto mit den Füßen frei schaufeln, anschließend hat sie mich dann rückwärts diese echt enge, glatte Straße runter gelotst. Puuuuuuh geschafft- der Fettnapf an diesem Tag: ERLEDIGT! Dachten wir zumindestens, die anderen Fettnäpfe allerdings nicht. Dieser kleine Bergausflug hatte uns leider etwas Sprit gekostet, doch zur nächsten Tankstelle reichte es noch locker. Dort angekommen mussten wir jedoch feststellen, dass es unser Benzin nicht gabt, wir also rein getigert, wo uns passend zu stinkendem Frittenfett zwei der schmierigsten Typen überhaupt begrüßten. Während wir ihnen unser Problem schilderten haben sie nur grinsend angemerkt, dass die nächste Tankstelle in Cargston noch 15 km entfernt sei. Soweit so gut, auch 15 km waren noch drin. Wir haben Cargston trotzdem nochmal ins Navi eingegeben, wo es dann plötzlich 27 km entfernt war. Hhm...da unsere Tankanzeige noch Sprit für 28 km anzeigte, no problem. Also wieder in den Mini und ab die Post. Mein Blick auf die Tankanzeige gerichtet, Lisas Blick aufs Navi mussten wir nach kurzer Zeit ungünstige Abweichungen feststellen.
Ich: Wir können noch 28 fahren
Liesl: Wir müssen noch 27 fahren
Ich: Wir können noch 20 fahren
Liesl: Wir müssen noch 22 fahren

In der Zwischenzeit kurz mal bei ner Farm geklopft um nach Benzin zu fragen-Leider keiner Zuhause-weitergefahren....und das alles am Arsch der Welt

Ich: Wir können nur noch 10 fahren
Liesl: Kein Problem wir müssen nur noch 10 fahren
Ich: 10, 9, 8, 7, 6,....
Liesl: Nur noch 6
Ich: 3, 2....
Liesl: nur noch 2
Ich: Scheiße, der Tank ist alle
Liesl: wir müssen anhalten

So war es dann, wir mussten anhalten. Einmal umgeschaut merkten wir dann, dass wir in der Einfahrt einer einsamen Farm angehalten hatten. Dort haben wir dann nochmal geklopft-wieder keiner da. Also haben wir uns entschieden unsere Wertsachen aus dem Auto zu nehmen, einen Zettel an unseren Mini zu machen und zu vermerken, dass wir in den nächsten Ort laufen, um Benzin zu holen.....wie im Film sag ich euch.
Vollbepackt kamen wir dann wieder an einer Farm vorbei, wo wir schon von zwei Wachhunden begrüßt wurden. Dort haben wir dann wieder geklopft und eine nette Frau angetroffen, die uns doch tatsächlich anbot, uns nach Cargston zur Tankstelle zu fahren. Allerdings hatte sie keinen Benzinkanister und wir natürlich auch nicht. So hat sie uns zu ihrem Nachbarn Gerald geschickt, dessen Frau uns nur zögerlich aufmachte, weil sie uns für die Zeugen Jehovas hielt. Dann hat sie aber gefragt, wie sie uns helfen kann. Ihr Mann hat uns dann zur Tankstelle gefahren und dann wieder zurück zum Mini. Auto vollgetankt- Danke Gerald! Wie schön einen Bauern kennen zu lernen, der keine Mistgabel, sondern nur ein großes Herz hat ;)
Total fertig mit den Nerven sind wir zurück nach Waterton gefahren-wir wollten schließlich noch mehr erleben *HIHI*
Dort war es etwas stürmisch, wir konnten uns kaum auf den Beinen halten. Das wollten wir natürlich fotografisch festhalten. Auf den Fotos sieht es aber leider einfach nur schön sonnig aus und wir als ob wir einen an der Waffel hätten, weil wir so komische Verrenkungen machen. Aber ich kann euch sagen- das hat uns fast umgehauen dort! Abends sind wir dann ganz entspannt aber auch erschöpft zurück gefahren und haben uns zum Abschluß dieses abenteuerlichen Tages noch einen Cheesecake gegönnt. Zurück in Calgary haben wir natürlich nichts davon erzählt- es hat doch jeder ein kleines Geheimnis oder???

Donnerstag, 4. März 2010

Ihr Lieben, leider habe ich es noch nicht geschafft die letzte Kanada-Woche zu bloggen. Das wird aber die naechsten Tage nachgeholt, versprochen. Vorher lasse ich euch jedoch noch kurz wissen, dass wir seid Sonntag hier im schoenen San Francisco sind. Witziger Weise haben wir hier mehr gefroren als die letzten fuenf Monate in Calgary-aber hier weht auch wirklich eine steife Brise. Zudem sind die Leute hier nicht so warmherzig wie wir es gewohnt sind ;) Daher machen wir uns heut Abend mit Greyhound auf den Weg, die Californian Coast runter nach LA, wo wir 3 Naechte bleiben um dann am neunten nach New York weiter zu fliegen.
Lisa liest mir gerade vor, dass hier in Chinatown 10.000 Chinesen wohnen- das haben wir heute morgen gemerkt, wo wir von einem Fischstand zum naechsten und an allen moeglichen anderen ekligen Dingen vorbei geschoben wurden und vor lauter chinesischen Menschen die Stassenschilder nicht mehr sehen konnten, obwohl die an sich ja ziemlich klein sind, also die Chinesen nicht die Strassenschilder. So im Rudel sind sie nur schwer zu ueberwinden. Aber auf jeden Fall haben wir hier viele neue interessante Eindruecke gesammelt, die ich in Kuerze in vollem Umfang hier abhandeln werde. Ich melde mich sobald wir am naechsten W-Lan-faehigen Ort angekommen sind-falls wir unsere Fahrt mit dem Bus heute Nacht ohne Schaeden ueberstehen- also ''fingers crossed", wie unsere liebe Gastmama Claire zu sagen pflegte. Ach ja unsere Gasteltern- wir vermissen sie schmerzlich und sie uns.....was wir aus den Email entnehmen, die zwischen San Fran und Calgary hin und her jagen.
Genauso vermissen wir euch-wir sitzen quasi gerade zwischen den Stuehlen, sind heimatlos....ohne Eltern und Freunde, zwei ruhelose Seelen, die aber immer viel Spass zusammen haben hihi. Also dann, wir hoeren uns morgen aus der Stadt der Engel und ab morgen auch der Bengel.
Passt so gut auf euch auf wie wir auf uns, dann ist alles paletti.
Eure Jule