Donnerstag, 12. Juli 2012

Calgary Babes are back in town

Dear Germany,

es ist soweit. Wir haben unsere Pläne verwirklicht und sitzen nun glücklich und zufrieden wieder auf unserer schönen rosa Couch in unserem zweiten Zuhause bei den Whites - in Calgary - Kanada!!!!
Gestern um 13.55 Uhr deutscher Zeit bestiegen wir ziemlich nervös den Air Transat - Flieger TS 349 von Frankfurt nach Calgary. Zuvor drohte aber schon der Plan meines 10-Kilo Handgepäcks zu scheitern, da eine sehr unfreundliche Bodenpersonal-Dame meinte "also von mir aus ist das ein Nein". Laut zwei Herren war es aber ein "Ja" und so konnte ich schließlich doch meinen kompletten Kleiderschrank mitnehmen! Yippie-yeah ;-)
Jetzt aber zurück zum Flug. Zunächst teilte uns ein Mann mit, dass wir nicht nebeneinander sitzen könnten. Wir, also schon ganz enttäuscht, stellten aber schnell fest, dass er sich wohl getäuscht hat, weil 36F und 36G liegen doch ziemlich dicht aneinander - Glück gehabt. Zu unserem Schrecken sahen die Plätze allerdings alle sehr eng aus und ein 10-Stunden-Flug ohne die Beine ausstrecken zu können ist doch sehr anstrengend. Aber wie ihr uns kennt, hatten wir mal wieder "Schwein" und hatten die Plätze bei den Notausgängen, wo zu unseren Füßen in der Tat ein breiter Gang war, wo wir uns nach Lust und Laune ausbreiten konnten. So konnten wir uns entspannt zurücklehnen, die Füße ausstrecken und den Fernseher nach geeigneten Filmen durchsuchen....Fernseher, oh Schreck, oh Schreck....da sich direkt vor uns keine Sitzreihe befand, konnte in den Sitzen folglich auch kein Bildschirm eingelassen sein. Bedeutet das jetzt etwa, dass wir 10 Stunden ohne Fernsehen auskommen müssen????????
Natürlich nicht! Trotz Tickets für die Economy Class genossen wir den Luxus, an unseren Sitzen ausklappbare Bildschirme und Tabletts zu haben. Wenn ihr jetzt eins und eins zusammen zählt ergibt das, dass wir wohl die besten Plätze erwischt haben, die dieses Flugzeug zu bieten hat. Das war auch in der Tat so, bis Trisha das Flugzeug bestieg. Um euch eine kurze Beschreibung zu geben: Eine blondgefärbte Tante in mega hohen Hacken und eng anliegendem Mini-Kleid, aus dem uns eine Monster-Brust zulächelte. Dies gefiel unserem kleinem Stewart, dessen Augen sich gerade auf der richtigen Höhe befanden, um sich ganz in diese Tussi zu vertiefen. Das wurde auch prompt ausgenutzt und Trisha, die erst kam als alle anderen schon angeschnallt auf den Abflug warteten, ergatterte sich charmant die drei Plätze vor uns, also vor unserem extrem großen Fußraum. Dort legte sie sich der Breite nach hin, beschloß aber schnell, noch vor dem Abflug die Toilette aufzusuchen. Es ging sofort ein Raunen durch die Gänge: "Ja Trisha, dir ist es innerhalb von fünf Minuten gelungen, dich bei allen anderen Passagieren sehr beliebt zu machen." Nach unserem verspäteten Start, ließ sie keine Gelegenheit aus, den Stewart, der nicht nur klein, sondern auch schon alt war, anzuflirten. Dieser wurde dann sehr geschmeidig und erklärte ihr sogar noch, wie man den Sitz in Liegeposition bringt. Was man in Liegeposition so alles machen kann, hat er dann zum Glück nicht näher erläutert.
Noch eine kurze Ergänzung zu unseren Plätzen: Ihr müsst sie euch wie folgt vorstellen....

                                                        Trisha Trisha Trisha
   Toilette   Gang Fremder Mann aus Seattle Liesl  Juli Gang   Toilette

Wie ihr seht, befinden sich zur rechten und linken Seite Toiletten. War die rechte Toilette besetzt, versuchten einige Leute einfach, unseren großen Fußraum auszunutzen, um zur linken Toilette zu gelangen und andersrum. Das wurde irgendwann nicht nur uns, sondern auch der Crew zu bunt und es wurde ein Absperrband zwischen dem fremden Mann aus Seattle und dem Gang gespannt. Für meine Seite gab es kein Band mehe ;-( Es kam wie es kommen musste: Trisha musste! Um uns zu ärgern, wollte sie natürlich an uns und der Absperrung vorbei. Auf dem Hinweg gelang es ihr noch, obwohl unser Sitznachbar sich wehrte soviel er konnte und sogar noch meinte: "Your smile doesn't do it for me", was (nach unserer Übersetzung durch die Interpretation dessen wie er es gesagt hat) soviel heißt wie "ich falle nicht auf dein fieses Grinsen rein". Auf dem Rückweg eskalierte schließlich die Situation - unser Sitznachbar versperrten mit seinen Beinen den Weg, woraufhin sie ihn als " a**hole, damned a**hole" beschimpfte (das muss ich nicht übersetzen, oder?). Dann wurde sie ganz komisch - sie holte ihr iPhone raus und fing (von mir unbemerkt) an, uns zu fotografieren. Während ich fröhlich mein Abendessen in mich hinein schaufelte, brüllt mein sonst so ruhiges Lieschen plötzlich, "hey, was soll das, warum fotografierst du uns?". Mir wäre fast das Hühnchen im Hals stecken geblieben, so habe ich mich erschrocken. Trisha auch....sie schaute uns sehr verdutzt an und stotterte etwas unverständlich, dass sie ja nur die Gänge fotografiert.....ja klar.....! Danach hat sie sich dann die ganze Zeit selbst in Szene gesetzt.......Schmollmund....Pose....Foto....au ja, das macht Spaß, so selbstverliebt zu sein. Um uns für den restlichen Flug zu schützen, baute uns der besagte Stewart mit seinem Koffer eine Barriere, die es tatsächlich vollbrachte, dass niemand mehr unseren Weg kreuzte. Nach ca. 5 Stunden kam dann plötzlich Trisha, um sich bei uns zu entschuldigen und erzählte uns eine herzzerreißende Story, dass sie sich am Flughafen schwer an den Beinen verletzt und dann im Flugzeug Wasser verschüttet habe und einfach nur auf der Toilette Tücher holen wollte. Die Arme.... in Wirklichkeit war es doch eher so, dass sie auf ihren hohen Schuhen und dem Übergewicht vorne einfach das Gleichgewicht verloren hat, sich schwer den Kopf gestoßen hat und zu allem Überfluß ist wohl auch noch eine ihrer Wasserbomben geplatzt, die im Flugzeug dann immer noch geleckt hat. Naja was solls, wir hatten unseren Spaß.
Der Gewittersturm, der uns für unsere Landung prophezeit wurde, blieb uns erspart. Stattdessen wurden wir von einem Lasso-werfenden Cowboy und einer Band in Calgary begrüßt und, wie sollte es anders sein, von Claire (die uns mit ihrem roten Hut hinter die Absperrung entgegen gerannt kam) und Martin (der bei den Kurzzeitparkern mit einem geliehenen extra großen Auto auf uns wartete). Die Freude war unendlich groß und passte zum 26°Celsius-warmen Sonnen-Sommer-Wetter.
"Zuhause" angekommen, flippten die Tiere völlig aus, die uns trotz der langen Zeit wiedererkannten und freudig begrüßten. Trotz der 2 Jahre und 5 Monate, die mittlerweile vergangen sind, seit wir Calgary auf Wiedersehen sagten, fühlte es sich sofort an, wie nie weg gewesen. Nach einem Ja-wir-sind-gut-angekommen-Telefonat, einer kurzen Regenerationspause und dem Auspacken unserer Koffer, machten wir uns in der Abendsonne auf den Weg zum Second Cup. Leider trafen wir dort niemanden an, den wir kannten (das war irgendwie traurig), also haben wir nur schnell ein bisschen Kaffee gekauft und sind völlig erschöpft, da es in Deutschland ja schon vier Uhr nachts war, nach Hause getingelt und haben uns dann in unser Bett geschmissen, wo wir sofort ins kanadische Traumland abtauchten.
Heute sind wir dann so gegen halb acht aufgestanden und Claire mit einem Zettel in der Hand in unserer Küche angetroffen, auf dem stand "Howdy and Good Morning my dear Lisa and Julia. Hope you slept well. Enjoy the day-sit outside+relay! .... See you later- YeHa! Love Claire". Jaja das Stampede macht im Moment vor keinem Halt und Calgary ist im absoluten Cowboy-Fieber
Danach haben wir wie in alten Zeiten, ausgedehnt gefrühstückt, geduscht, nochmal länger mit Zuhause und vorallem mit Daniel telefoniert (***), um nun, wie ihr seht, unser Blog etwas aufzufrischen.

Ich hoffe, es geht euch allen gut und ihr seid es noch nicht leid, unsere unendlich langen Blogeinträge zu lesen. Aber wir möchten euch einfach, so gut es geht an unserer zweiten Calgary-Erfahrung teilhaben lassen.

Fühlt euch lieb gegrüßt und von unserem Sonnenschein hier an der Nase gekitzelt. Eure Liesl und Juli

P.S.: Leider hat sich direkt vor der Toilette auf der rechten Seite jemand übergeben. Liesl und ich haben uns unter unserer Decke versteckt, um das nicht sehen, riechen und nachmachen zu müssen. Aber es eilten schnell drei tatkräftige Menschen des Bordpersonals herbei, die gekonnt das Problem beseitigten!
Also fühlt euch geehrt, dass wir nur verbal unser Innerstes vor euch nach außen kehren *haha*

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