Freitag, 6. November 2009

Eine Woche nichts gepostet, aber nicht weil nichts passiert ist, sondern ganz im Gegenteil soviel, dass wir uns selbst kaum noch folgen können. Deshalb übermittel ich euch jetzt, damit es übersichtlich bleibt quasi einen Tagesplan, was wir die letzten Minuten, Stunden, Tage so alles erlebt haben.
Angefangen bei Samstag: Nach der freudigen Nachricht, dass wir beide einen Job bei Second Cup ergattert haben, sind wir erstmal auf den Spielplatz gegangen und haben uns ausgetobt und unser Leben in vollen Zügen genossen. Man ist ja immer nur so alt wie man sich fühlt und an dem Tag fühlten wir uns wie neu geboren. Aber eine Sache hatten wir längst vergessen- wie hungrig es macht, den ganzen Tag zu wippen, schaukeln, rutschen, toben. Zum Glück waren wir abends zu Georges Geburtstagsdinner ins Cheesecake Cafe eingeladen und konnten unsere Batterien wieder kräftig auffüllen. Nach einem Cheddar-Cheeseburger und einem Triple Chocolate Fudge Cake fühlte ich mich wie ein ganz schön dickes Kind: Das hat sich aber wieder gelegt ;)
Sonntag: Nach einer schnellen Shoppingtour bei GAP, wo Lieschen eine schwarze Hose zum Arbeiten gekauft hat, haben wir uns mit Scott (dem jüngeren Sohn der Whites) getroffen, um Downtown unsicher zu machen. Beim erstbesten Chinesen haben wir dann ein Mittagspäuschen eingelegt, bei dem dann ans Licht kam, dass Scott ein Fan der deutschen Sprache, Musik und Kultur ist. Seine deutschen Sprachkenntnisse waren ganz schön beeindruckend. Zunächst hat er uns ein deutsches Lied von David Hasselhoff, den er als Inbegriff von Maskulinität versteht *hahahaha* vorgesungen: "Düüü bist als for me" Na alles klar? Also wir haben so gut wie nichts verstanden. Desweiteren mochte er den Satz: "Mein lieber Herr Gesangsverein"und den Ausdruck "Grüß Gott". Uns hat er immer "German Barbies" genannt und dann war er noch der festen Überzeugung "Überschnauzer" wär ein wichtiges Wort im deutschen Sprachraum-wir haben ihn in dem Glauben gelassen. Dann hat er uns noch erzählt, dass Franz Baur ja auch unglaubliche gute deutsche Musik macht...wer auch immer der Mann ist...Geschmäcker sind zum Glück verschieden. Ach ja, unsere Heimat ist ja so idyllisch wegen unseren Holzhäusern und den riesen Blumenkästen am Balkon......???
Nach diesem recht amüsanten Lunch hat er uns noch seinem Arbeitskollegen beim Sicherheitsdienst vorgestellt, wir durften uns ein wenig Verbrecherfotos anschauen, mit Handschellen und Messern spielen und zu guter letzt hat er uns noch umsonst ins Kino, in den Film "Couples Retreat" geschleust, wo wir uns wortwörtlich gebogen haben vor Lachen. Dieses Lachen verging uns aber schnell als wir feststellten, dass wir unseren letzten Bus nach Hause verpasst hatten. Calgary ist zum Glück kein ödes Kaff und hier fährt mehr als eine Buslinie in diesselbe Richtung-also haben wir es doch noch nach Hause geschafft. Juppieee
Montag: Das chinesische Essen war nicht optimal verdaulich und wir sind den ganzen Tag im Staffellauf auf Toilette gelaufen, dazu noch die Aufregung, dass sich Second Cup noch nicht wieder gemeldet hatte-wir fühlten uns miserabel. Dann der erlösende Anruf, dass wir Dienstag zu Second Cup kommen sollten, ein paar Hände voller Cheerios, eine Dosis "Say yes to the dress" und wir waren wieder generalüberholt.
Dienstag: Morgens haben wir uns frisch und schön gemacht, um bei unserem neuen Chef einen ordentlichen Eindruck zu hinterlassen. Nach einigem Papierkram hat er uns dann ca. 2 Stunden alles über Kaffeefarmen, -sorten, -bohnen, -röstung.........erzählt. Viele dieser Informationen haben uns jedoch nur sanft gestreift. Unser Gehirn war schlichtweg überlastet. Zusätzlich zu dem Lifetraining im Laden müssen wir ein kleines Studium am Computer absolvieren. Aber ich kann euch sagen, leichter gesagt als getan. Die Welt des Kaffees ist kein purer Genuss, sondern viel, viel, viel Arbeit.
Mittwoch war dann schon unser erster Arbeitstag und wir mussten in verschiedenen Schichten die Kasse bedienen: Ein Universum für sich-und soviele Knöpfe, die man besser nicht drückt: Das haben wir natürlich erst festgestellt, nachdem wir sie bereits gedrückt hatten. Aber wir entwickeln immer mehr vielversprechende Kampfmethoden, um unseren Gegner, die Kasse zu besiegen. Zudem wusste jeder zweite schon genaustens über uns Bescheid und unsere Kunden begrüßten uns zu unserem Erstaunen mit Namen. Plötzlich kam so ein Alter rein und meinte "Julia bist du verheiratet, weil ich hab da einen Freund, der noch ´ne deutsche Frau sucht". Das habe ich schnell abgewimmelt oder würde das bei euch auf Begeisterung stoßen, wenn ich einen 60 Jahre alten Knacker mit nach Hause bringen würde??? (Sorry an alle meinen lieben Leser, die dieses unglaubliche Alter auch schon erreicht haben-ihr seid natürlich viel fittere alte Knacker als die hier ;)) Als ich nach meiner Schicht nach Hause kam, hat mich "Mutter Liesl" schon mit einem tollen Abendessen erwartet. Unterm Strich konnte unser erster Tag bei der Starbucks-Konkurrenz Nummer 1 also als erfolgreich abgestempelt werden.
Donnerstag: Gestern musste nur Lieschen ran, ich hatte frei und als sie weg war, war ich plötzlich sooooooooooooooo einsam, wir haben schließlich die letzen vier Wochen Tag und Nacht gemeinsam verbracht. Also habe ich mich irgendwann auf den Weg gemacht und sie von der Arbeit abgeholt. Wir durften uns sogar noch einige Sachen zum Frühstück einpacken-umsonst. Lecker, lecker.
Heute Freitag: Von wegen "Frei"tag-ich musste arbeiten und das auch noch nach einer nicht ganz so erholsamen Nacht. Zudem war heut ganz schön was los im Land des Kaffees. Unglaublich, was man hier an einem Tag alles so lernt, aber es macht Spaß. Nach meiner Schicht bin ich total erschöpft auf der Couch niedergesunken. Doch jetzt, nach einem schönen Spaziergang im sonnigen Braeside ist der Kopf wieder frei (für neue Flausen). Deshalb muss ich an dieser Stelle auch Schluss machen.....
Liebe, sonnige und fröhliche Grüße aus dem wilden, witzigen Westen
Jule

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